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Selentonung
Die Diskussionen der letzten Zeit über eine Bildsilberstabilisierung durch Selentonung erscheinen mir eher müßig. Für eine Erhöhung der Archivfestigkeit stehen zweifellos wirksamere Methoden zur Verfügung (Gold, Schwefel, Sistan). Aber selbst schwache Selentonungen sind unter dem Gesichtspunkt der Haltbarkeit besser als gar keine Tonung! Fineprinter setzen Selentoner zunächst einmal aus ganz anderen Gründen ein. Die Wirkungsweise dieses Toners gestattet eine gezielte Dichteerhöhung in den Schattenpartien. Unabhängig von der Verdünnung und der Temperatur des Toners werden immer erst die hohen Silberdichten angegriffen.




Oben: Ungetont
Unten: Selengetont


Neben einem deutlichen Dmax-Gewinn erscheinen die tiefen Schatten differenzierter. Durch den höheren Kontrastumfang und eine mehr oder weniger starke Verschiebung des Bildtones in kühlere (weniger grüne) Nuancen wirken selengetonte Prints brillanter. Bildtonveränderungen sind abhängig von der Emulsionszusammensetzung des Papiers und vom verwendeten Entwickler. Der von den meisten Photographen wenig geschätzte grünliche Ton des Bildsilbers kann durch hochverdünnte Tonerlösungen in angenehmere Nuancen verschoben werden. Soll der Toner auch die höchsten Lichter erreichen, bevor die Schattendichte wieder abnimmt, sind Verdünnungen von 1+100 bis 1+400 zu wählen. Sollen lediglich die Schatten verstärkt werden, darf bei fetten Ansätzen von 1+5 bis 1+20 nur sehr kurz (20-60 Sekunden) getont werden. Bei solch kurzen scharfen Tonungen muß der Prozeß möglichst rasch unterbrochen werden. Wässerungshilfen sind keine Stoppbäder für Selentoner! Durch rasche Verdünnung des in der Schicht und im Papierfilz haftenden Toners mit fließendem Wasser und leichtem Abreiben von Bild- und Rückseite mit einem Wattebausch läßt sich die Tonerwirkung hinreichend schnell reduzieren.

Alle Papiere sind einer Selentonung zugänglich! Manche tonen schneller, bei anderen ist eine Tonung nur im Vergleich mit einem ungetonten Muster wahrnehmbar. Auf jeden Fall wird der Print brillanter, die Schwärzung der Schatten nimmt sicht- und messbar zu. Um die Sache nicht unnötig zu komplizieren, kann festgehalten werden, Warmtonpapiere tonen schnell mit deutlichem Bildtonwandel, bei Kalttonpapieren ist die Veränderung des Bildtones oft nur gering. Selbst bei ausgedehnter Tonung in fetten Tonern tut sich scheinbar erstaunlich wenig. Wird bei solchen Papieren wegen einer Erhöhung der Archivfestigkeit getont, sollte man deshalb nicht beunruhig sein. Wieweit die Tonung tatsächlich fortgeschritten ist, lässt sich erst erkennen, wenn der Print gebleicht wird. Bleibt ein rotbraunes Bild zurück bei dem auch die Lichter noch genügend Ton aufweisen, so ist das Ziel voll erreicht. Sind die Lichter, unter Umständen gar bis zu den Mitteltönen ausgefressen, dann war die Tonung zu kurz um dem Abzug höchstmöglichen Schutz vor Umwelteinflüssen zu geben. Aber immerhin hat sich dann auch in den Lichtern schon eine leichte Membran um das Silberkorn gelegt. Man spricht in solchen Fällen von einer "Verborgenen Selentonung".





A.S.C.
Wephota Baryt Brillant, Lithentwicklung
Links: Selentonung 1+100 2min
Rechts: Selentonung 1+10 2min, anschließend gebleicht


Bei Warmtonpapieren ist der Fortgang der Tonung leichter zu beurteilen. Sollen nur die Schatten verstärkt werden, tont man nur sehr kurz mit niedriger Verdünnung (1+5 bis 1+20), soll der Bildton leicht verschoben werden sind hohe Verdünnungen sinnvoll, andernfalls nehmen die Schattendichten wieder ab bevor die Lichter vom Toner erreicht sind. Je wärmer das Bild entwickelt wurde, desto dünner sollte der Toner sein, weil sonst der Bildton deutlich kühler wird.


    

A.S.C.
Select Sepia VC, Meritol
Links: ungetont
Rechts: getont Verdünnung 1+9 25sec bei 20°C


Ausgesprochen farbig werden die polychrom entwickelten Prints (siehe Artikel: Kreative Tonungstechniken 2: Im Rausch der Farben)




Wolfgang Moersch
Select Sepia VC, Polychrome Entwicklung
Selentoner 1+10 1min