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Schwefeltonung
Teil 1



Wolfgang Moersch
Wephota Baryt Brillant
gebleicht bis zu den Mitteltönen, getont mit Thioharnstoff (Agfa 525)


Neben den konfektionierten Tonern des Handels, existieren eine Vielzahl von frei zugänglichen Rezepturen. Die Vielzahl der Rezepturen suggeriert unterschiedliche Ergebnisse, aber die Variationsbreite ist eher gering. Statt allzu sehr auf die Wirkung dieser Rezepturen zu vertrauen, sollte eher einmal ein anderes Papier genutzt werden, wenn die Tonungsergebnisse mit dem jeweiligen Standardpapier unbefriedigend ausfallen sollten. Die tiefbraunen, oder die leuchtend rotbraunen Bildtöne die sich früher mit einer Vielzahl reiner Bromsilberpapiere erzielen ließen, sind wegen der heute vorwiegend verwendeten Mischemulsionen mit den überlieferten Rezepturen meist nicht mehr möglich. Immerhin sind heute (2007) noch fünf Bromidpapiere im Handel, die auch mit Thioharnstoff tiefbraun tonen:
  1. Kentmere Bromide (Festgradation)

  2. Adox Nuance (Festgradation)

  3. Fomabrom (Festgradation)

  4. Fomabrom Variant III

  5. Adox Fine Print VC

Die meisten der heutigen Papiere haben eine Mischemulsion mit hohem Chlorsilberanteil und Chlorsilber tont gelb. Recht angenehme Töne bringt das Agfa MCC und Ilford Multigrade IV.
Eine Vortonung mit Schwefelnatrium vor der Bleichung ergibt mit einigen Papieren intensive dunkle Brauntöne. Zwischen allen Verarbeitungsschritten ist zu wässern.





Agfa MCC geschwefelt, gebleicht, nochmals geschwefelt


Die modernen Warmtonemulsionen können auch direkt mehr oder weniger farbig entwickelt werden. Der Aufwand ist aber meist ein erheblich höherer und zeitaufwendiger als selbst der einer komplizierten Tonung. Es ist jedoch möglich nach der Bleichung das Bild mit einem geeigneten Entwickler farbig rückzuentwickeln. Dies hat den Vorteil, den Vorgang bei Raumlicht besser beurteilen zu können. Wie schon festgestellt neigen Warmtonpapiere zu gelblichen Tönen. Ein wenig kann daran aber durchaus gedreht werden, wenn man sich die Mühe macht gezielt mit den Eigenschaften der Papiere und den Tonerabstimmungen zu spielen.

Die Rezepturen des Natriumsulfidtoners sind nicht so unterschiedlich, daß darauf hier unbedingt eingegangen werden müsste. Farbvariationen sind eher von den unterschiedlichen Bleichern und dem Grad der Bleichung abhängig. Geruchlose Toner des Handels sind Thioharnstofftoner. Sie enthalten immer Bleicher und Tonerkonzentrat und bei einigen ist es möglich die Farbnuancen über den pH-Wert einzustellen. Auch bei Selbstansätzen ist der erzielte Braunton umso dunkler, je höher der pH-Wert.


Bleichbäder

Für den Anfang spielt es keine große Rolle welche Rezeptur verwendet wird, um das Bildsilber in ein Silbersalz zu überführen. Die meisten Bleicher für diesen Zweck enthalten Kaliumhexacyanoferrat (Rotes Blutlaugensalz, Kaliumferrizyanid) und Kaliumbromid. Für das Tonungsergebnis ist das Verhältnis dieser beiden Substanzen zueinander nicht so sehr ausschlaggebend. Aber je mehr Bromid und je höher der pH-Wert, desto schneller wird der Bleicher arbeiten. Von allen Rezepturen lassen sich auch konzentrierte Vorratslösungen herstellen und nach Bedarf verdünnen.

WICHTIG! Vor dem Bleichen muß der Print sauber gewässert sein. Reste vom Thiosulfat des Fixierbades würden aus dem Bleicher einen Abschwächer machen und nix ist mehr mit Rückentwicklung, zumindest die Lichter würden unwiederbringlich ausfressen. Bei Verwendung hochalkalischer Toner ist es bei manchen Papieren ratsam die Gelatine zu härten, wenn der Glanz der Oberfläche erhalten bleiben soll.

Agfa 500 - Arbeitslösung 1 Liter 60g Hexacyanoferrat, 4g Kaliumbromid
Agfa 501 - Arbeitslösung 1 Liter 50g Hexacyanoferrat, 10g Kaliumbromid
Agfa 502 - Arbeitslösung 1 Liter 30g Hexacyanoferrat, 50g Kaliumbromid, 10ml Ammoniak

Konzentrate mit gleichen oder unterschiedlichen Gewichtsanteilen jeweils 1 Liter Lösung z.B. 100:100g, 75:25g, 30:90g Verdünnung der Arbeitslösungen 1+5 bis 1+20

Der Agfa 502 riecht wegen des Ammoniaks etwas unangenehm, bleicht durchgreifend innerhalb von Sekunden und braucht etwas längere Zeiten um die Färbung des Papiers durch Wässerung zu entfernen, auch wenn er nur kurze Zeit eingesetzt wurde. Ist der Gehalt an rotem Blutlaugensalz gering, dann geht das Wässern schneller. Zu kurze Wasserungszeiten können zu einem Vergilben der Bildweißen bei der Tonung führen, unabhängig davon welcher Bleicher verwendet wurde.

Toner

Wie schon festgestellt, ist es fast gleichgültig welcher der oben genannten Bleicher verwendet wurde. Der resultierende Braunton hängt von der Form des zuvor ausgeschiedenen Silbers ab, also von der Zusammensetzung der Emulsion, dem Verhältnis Ag Cl : Ag Br. Ein hoher Bromsilbergehalt begünstigt das Zustandekommen tiefbrauner Töne.

Natriumsulfid-Lösungen 0,5 bis 2%ig sind schnell bereitet, tonen (nach Bleichung) rasch in 30 bis 60 Sekunden. Bei längeren Tonungszeiten werden auch die ungebleichten Partien getont und obwohl nicht immer eine deutlich erkennbare Farbverschiebung eintritt, ist die Wirkung als Silberstabilisator offenkundig (siehe Bleichung nach Tonung).

Lösungen von Schwefelnatrium und Schwefelleber riechen unangenehm nach faulen Eiern, noch schlimmer wird der Geruch beim ersten Wässerungsgang. Der freigesetzte Schwefelwasserstoff ist gesundheitsschädlich (siehe http://www.h-2-s.de/giftigkeit.shtm) und kann zu Verschleierung von unbelichtetem Material führen.

In Laborräumen ohne Abzug und Frischluftzufuhr sollten Sulfidlösungen nicht eingesetzt werden. Will man auf die Vorzüge von (direkten) Schwefeltonern nicht verzichten, können gesundheitliche Risiken völlig ausgeschlossen werden, indem die Tonung nebst zweimaligem Wasserwechsel im Freien vorgenommen wird.

Eine Alternative sind die geruchlosen Thioharnstofftoner. Der Zusatz von Kaliumbromid ist nicht unbedingt erforderlich, die Alkalität der Tonerlösung kann mit Ätzalkalien oder Carbonaten eingestellt werden.

Alkalische Thioharnstoff-Kaliumbromidlösung 1 Liter
Agfa 520 - Thioharnstoff 5g, Kaliumbromid 40g, Natriumhydroxyd 3g
Agfa 525 - wie oben aber mit 15g Natriumhydroxyd (Ätznatrium)

Hautkontakt mit Natriumhydroxyd ist zu vermeiden, bei Kontaminierung mit reichlich Wasser spülen!!!

Beide Bäder sind haltbar. Bei Nachlassen der Wirkung kann mit NaOH regeneriert werden. Der Farbton mit 520 ist gelblich, die Tonwerte zart, 525 wirkt kräftiger mit dunklerer Nuance. Soll nur ein Hauch Wärme in die Lichter gebracht werden, ist der schwächere 520 vorzuziehen. Dies gilt auch für die Doppeltonung mit Eisenblautonern, die später besprochen wird.

Alle Thioharnstofftoner sind hochalkalisch! Bei frischen Lösungen setzt die Tonung schlagartig ein. Ist die Tonung nicht nach 30 Sekunden vollständig abgeschlossen, ist dies ein Zeichen beginnender Erschöpfung. Statt die Tonungszeit über eine Minute auszudehnen, sollte mit Alkali regeneriert werden. Bei längerer Verweildauer in hochalkalischen Bädern (hier je nach Einstellung bis zu pH 13.4) kann die Gelatine aufweichen, die Oberfläche erscheint nach Trocknung stumpf. Die Zeit im Toner sollte deshalb keinesfalls über einer Minute liegen. Einige stark gehärtete Papiere überstehen Torturen von mehreren Minuten, ohne irgendeine Wirkung zu zeigen, andere Marken reagieren äußerst empfindlich, besonders dann, wenn sie "fabrikfrisch" sind. Sollten Oberflächenprobleme auch schon bei kurzen Zeiten auftreten, kann eine Zwischentrocknung helfen, andernfalls muß die Gelatine vor der Tonung gehärtet werden (siehe Härter).

Warmtonpapiere: Select VC, Forte Polywarmton, Bergger Prestige

Chlorsilberemulsionen und Mischemulsionen mit hohem Chlorsilberanteil tonen nach Bleichung in gelblichem Ton - unabhängig von der Art des Toners und auch wenig abhängig von der Zusammensetzung des Bleichers. Ob mit Thioharnstoff getont wird (wie hier) oder mit Natrium- oder Polysulfid spielt überhaupt keine Rolle.




ungetont




Bleicher Ferrizyanid, Bromid 5:20g/L 8sec,
= Lichterbleichung
Toner 525 30sec




Ferrizyanid:Bromid 5:20g/L 30sec
= Bleichung bis zu den Schatten


getont 525 30sec
Bei Warmtonpapieren wird die Farbe der
gebleichten Partien selbst beim stark
alkalischen Toner 525 gelblich


Reine Bromsilberpapiere, Jodsilberpapiere, oder Chlorbrompapiere mit geringem Chlorsilberanteil zeigen nach starker alkalischer Abstimmung des Tioharnstofftoners dunkelbraune Töne.
Die Abstimmungstabelle meines Thioharnstofftoners (MT3 Vario) zeigt die Variationsbreite für solche Papiere. Die Farbe wird umso dunkler je alkalischer die Lösung wird.

Tonerpart = Thioharnstoff, Steuerpart = Alkalilösung


A B C D E
Abstimmung hellgelb dunkelgelb rötlichbraun mittelbraun dunkelbraun
Tonerpart 50ml 50ml 50ml 50ml 50ml
Steuerpart 30ml 60ml 90ml 130ml 180ml
Wasser 900ml 900ml 850ml 800ml 750ml


Das Bleicherkonzentrat des MT3 wird zwischen 1+10 und 1+50 verdünnt




Ilford MGIV in SE6 BLUE


MT3 Vario-Schwefeltoner


Sollen nur die Lichter einen warmen Ton annehmen, wird bei Verdünng von 1+20 bis 1+50 kurz gebleicht. Je höher die Verdünnung, desto fließender sind die Übergänge.

Hier wurde bei 1+30 40 Sekunden gebleicht und in Abstimmung B 30 Sekunden getont.





Bei gleicher Tonerabstimmung bestimmt der Grad der Bleichung den Bildton. Links Bleicher 1+40 3 Minuten, rechts 2 Minuten. Papier MGIV in SE3 COLD.




Das MG Warmton von Ilford bleicht wesentlich schneller als das MGIV. Nach Lichterbleichung 1+40 (30 Sekunden) wurde mit Abstimmung D getont.




© Nick Hermanns
Select Ivory/ Forte PW17
gebleicht bis in die Mitteltöne, Tonerabstimmung 50:100:850





Fomatone
gebleicht bis in die Mitteltöne, Tonerabstimmung 50:50:900





Kentmere Fine Print VC
Zweibadentwicklung Catechol/Sepia


Bleicher 1+40 30 Sekunden,
Toner Abstimmung E 30 Sekunden





Kentmere Kentona


Bei Abstimmung E entsteht ein rotbrauner Bildton mit hoher Schattendichte, auch dann, wenn wie hier völlig durchgebleicht wurde.




Das ADOX Nuance läßt sich wegen seines
hohen Silbergehalts im MT3 sowohl zu
leuchtenden Gebtönen, als auch zu Rotbraun,
oder Warmschwarz tonen.
Noch breiter wird das Farbspektrum, wenn
in Selen oder Schwefelnatrium vorgetont wird.



Links der ungetonte Print


Bleicher 1+40 1:30min


Tonerabstimmung C rötlichbraun


Sollen nur die Lichter einen Hauch von Wärme erhalten, wird in starker Verdünnung gebleicht.




Bleicher 1+20 30sec



Tonerabstimmung A hellgelb



Bleicher 1+10 30sec


Tonerabstimmung E dunkelbraun


Es ist für den Bildkontrast meist vorteilhaft, nicht völlig durchzubleichen, sondern abzubrechen, bevor auch die tiefsten Schatten völlig verschwinden.




Vortonung Selen 1+10 2:30min
Bleicher 1+20 1min




Tonerabstimmung C rötlichbraun


Vortonung MT5 (direkte Tonung mit
Schwefelnatrium) 1+10 1min
Bleicher 1+20 1min


Tonerabstimmung C rötlichbraun


Die Tonung ist vor der Bleichung nicht Sichtbar.

Soll die Tonung bis in die tiefen Schatten gehen, müsste entweder völlig durchgebleicht werden, was zu einer Kontrast- und Dichteabnahme führen würde, oder es wird mit Selen oder Schwefelnatrium vorgetont um die Schatten vor der Bleichung zu schützen.

Bei der Vortonung mit Selen werden abhängig von der Tonungszeit nur die Schatten, oder auch die Mitteltöne geschützt. Die Selentonung beginnt immer in den Schatten, ob die Mitteltöne erreicht werden, ist nur eine Frage der Tonungszeit.

Lösungen von Schwefelnatrium wirken dagegen auf den gesamten Tonwertbereich ein. Die einminütige "Vortonung" mit Schwefelnatrium ist so wirksam, daß der Bleicher nur noch wenig Silber vorfindet. Die Dichte nimmt im Bleicher deshalb nur geringfügig ab, erst jetzt wird die Farbe der Tonung erkennbar. Neben dem entstandenen Silbersulfid liegt noch eine geringe Menge Silbersalz vor, welches durch nochmalige Schwefelung auch zu Silbersulfid überführt wird. Zu diesem Zweck kann sowohl nochmals in MT5 (Schwefelnatrium), als auch in MT3 (Thioharnstoff) getont werden.