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Schwefeltonung
Teil 2
Direkte und indirekte Schwefeltonung mit MT4 Siena und MT5 Sepia auf Ilford-Papier


Ilford Multigrade IV



SE6 Blue ohne Tonung


MT4 Siena 1+20 1min


MT5 Sepia 1+10 3min


Die Reaktion des MGIV auf alle Arten von Tonung ist im Vergleich zu anderen Papieren eher gemächlich. Bis auf die Selentonung, die bei diesem Papier zumindest bei Neutraltonentwicklung kaum wahrnehmbar ist, lassen sich alle anderen Tonungsverfahren mit den erwarteten Wirkungen einsetzen, es dauert lediglich etwas länger.

MT4 Siena: Es ist auch hier die bekannte Eigenschaft von Polysulfidtonern feststellbar, daß die Tonung während der Wässerung fortschreitet , wenn auch nicht mit vergleichbarer Intensität wie bei Warmtonpapieren. Bei kurzer Tonungszeit ziehen die Schattendichten mit kühlerem Ton leicht an, die zunächst nur wenig Wirkung zeigenden Lichter und Mitteltöne tonen bis zur Trocknung nach.

MT5 Sepia: Direkt eingesetzt, also ohne vorherige Bleichung, werden die Schatten bei Schwärzungszunahme kühler, die Lichter nehmen auch bei starkem Toneransatz (1+10) erst bei Zeiten über zweieinhalb Minuten einen warmen Ton an.

Direkte Schwefeltonungen ergeben nicht mit jedem Papier zwangsläufig einen Braunton. Doch auch wenn nur ein schwacher Farbumschlag erkennbar wird, ist die Wirkung als Bildsilberstabilisator vorhanden. Bei neutralen oder kühlen Emulsionen kann die Schwefeltonung mit geeigneten Papieren also auch ausschließlich zum Zweck der Archivfestigkeit eingesetzt werden, wobei auch die Maximalschwärzung, ähnlich wie bei der Selentonung, kräftig ansteigen kann. Doch im Unterschied zur Selentonung werden bei vergleichbar kurzen Tonungszeiten auch die Lichterdichten stabilisiert.

Die beiden ersten Prints dienen dem Vergleich von Tonwert und Bildton.





MGIV Neutraltonentwickler - ohne Tonung



MT1 Selentoner 1+50 5 Minuten



MT5 Schwefeltoner 1+10 3 Minuten



MT5 Schwefeltoner 1+10 3 Minuten


Der Bildton wird bei diesem Papier noch kühler, der Dichtezuwachs der Schatten ist höher als nach der Selentonung. Nach Bleichung des getonten Prints wird der Umfang der Umsetzung des Silbers zu Silbersulfid erkennbar. Noch ist nicht voll durchgetont, doch die schützende Wirkung ist schon erheblich größer, als bei einer Selentonug gleicher Verdünnung und Dauer, weil dort die oberen Mitteltöne noch nicht erreicht werden (siehe Schwefeltonung Teil 1 und Selentonung Teil 1).






Das Beispiel oben soll lediglich die (nicht sichtbare) Wirkung des Toners demon-strieren, archivfest ist dieser Print jetzt nicht mehr, denn durch die Bleichung des (noch nicht getonten, metallischen) Silbers ist ein (nicht stabiles) Silbersalz - in diesem Fall Silberbromid - entstanden. Silberbromid ist nicht nur durch Entwicklung oder Tonung zu Silber oder Silbersulfid reduzierbar, es würde im Laufe der Zeit (unkontrolliert) durch Gaseinwirkung "tonen".
Das Silberbromid muß also entweder durch Fixage gelöst, oder durch nochmalige Tonung in Silbersulfid überführt werden. Dabei nimmt die Dichte wieder zu, der Farbton wird dunkler.

Eine höhere Farbigkeit bei direkter Tonung ergibt der Polysulfidtoner MT4 Siena. Ist ein durchgehender Braunton erwünscht, wird getont bis sich der angestrebte Farbton einstellt. Nach zwei bis fünf Spülgängen (Wasserwechsel Schale) muß die Tonung durch ein Sulfitbad unterbrochen werden, weil der Toner andernfalls während der Wässerung weiterarbeiten würde. Kurze Tonungszeiten von 30 bis 90 Sekunden bringen kaltbraune Töne, bei längeren Zeiten wird die Farbe rötlicher.




MT4 Siena 1+40 3 Minuten - gestoppt in Sulfit



MT4 Siena 1+40 1 Minute mit Nachtonung


Tont man bei gleicher Verdünnung nur 20 bis 60 Sekunden, stoppt nicht in Sulfitlösung und läßt damit die Nachtonung zu, stellt sich ein Splitton ein. Die Lichter werden rötlich, die Schatten grünlich kalt.



Multigrade IV mit "Indirekter Schwefeltonung"

Mit beiden Schwefeltonern ist natürlich auch eine indirekte Tonung möglich, wobei es einen Unterschied macht, ob bei hoher Verdünnung lang, oder bei starken Ansätzen kurz gebleicht wird. Eine völlige Bleichung, also bis zum Verschwinden der tiefen Schatten, führt zu einem Kontrastverlust, wie wir ihn auch von der Tonung mit dem geruchlosen Thioharnstofftoner kennen.

Bleicht man jedoch nur bis zu den Mitteltönen, oder läßt zumindest die Schatten stehen, bleibt die Dichte der Schatten und damit der ursprüngliche tonale Eindruck weitgehend erhalten.

Wird beispielsweise bis in die oberen Mitteltöne gebleicht, werden die gebleichten Partien im Toner fast schlagartig "rückentwickelt". Bricht man die Tonung nach etwa 20 Sekunden ab, bleiben die Schatten nur wenig beeindruckt, die "Kante" zwischen getontem und ungetontem Bereich ist je nach Bleicherverdünnung noch mehr oder weniger stark ausgeprägt, erst bei längeren Zeiten stellt sich dann eine Farbveränderung in den Schatten ein - die Übergänge erscheinen fließender.

Will man die Entstehung einer Kante von vornherein ausschließen, oder soll der Lichterton möglichst wenig gelblich erscheinen, wird in Selen oder Schwefel vorgetont. Eine kurze Tonung in fettem Selentoner schützt lediglich einen Teil der Schattendichte, nach Bleichung stehen also nur noch die Schatten bei verringerter Dichte in rotem Ton, der Rest des Bildes ist dem Schwefeltoner zugänglich.

Nach einer (ebenfalls kurzen) Vortonung mit Schwefelnatrium bleiben noch alle Tonwertbereiche nach Bleichung sichtbar.

Bei der schon etwas längeren Selentonung von fünf Minuten bei 1+10 Verdünnung, bleibt nach fast völliger Bleichung des Restsilbers ein Selenbild zurück, welches bis in die Mitteltöne reicht.




Bleicher (nach Selentonung) 1+10 60 Sekunden



anschließend MT5 1+10 45 Sekunden


Nach anschließender Schwefeltonung stellt sich dann ein rotbrauner Ton von den Schatten bis in die Mitteltöne ein, die vom Selentoner noch nicht erreichten Lichter erscheinen warmbraun bis gelblich.



Indirekte Tonung (ohne Vortonung) mit MT5 Sepia




Bleicher 1+20 60 Sekunden




Bleicher 1+10 60 Sekunden




Toner MT5 1+10 60 Sekunden



Toner MT5 1+10 60 Sekunden



Ilford Multigrade Warmton

Alle oben beschriebenen Verfahrensweisen sind natürlich auch mit allen anderen Papieren möglich, die Ergebnisse werden in einigen Fällen aber sehr unterschiedlich ausfallen.

Ein gutes Beispiel für die "Andersartigkeit" der Reaktion auf Schwefel ist das Warmtonpapier von Ilford. Wegen seines feineren Korns laufen alle Tonungsprozesse wesentlich schneller ab als beim MGIV, die Farben sind intensiver, das Farbspektrum ist größer.





Links: MGW mit seinem typisch grünlichwarmen Ton
Bei direkter Tonung in MT4 Siena stellt sich eine intensive Farbigkeit ein, wenn die Nachtonung im Wasser zugelassen wird.

Die direkte Tonung mit MT5 Sepia erhöht hingegen nur die Dichte, die Lichter werden kälter.

Farbigere Ergebnisse stellen sich bei diesem Toner nach Bleichung ein.

Gegenüber dem MGIV bleicht das MGW wesentlich schneller, entweder ist also die Verdünnung zu erhöhen, oder die Zeit zu verkürzen.



MT5 Sepia 1+10 5 Minuten



MT4 Siena 1+40 30 Sekunden



Bleicher 1+20 30 Sekunden - MT5 1 Minute




Bleicher 1+40 60 Sekunden - MT4 1+40 15sec





Das MGW bleicht wesentlich schneller als das MGIV. Eine Bleicherverdünnung von 1+20 ist für ein kontrolliertes Bleichen schon zu stark, nach 30 Sekunden sind die Mitteltöne erreicht, bei 60 bis 90 Sekunden wäre bis zu den Schatten durchgebleicht. Wird bei indirekter Tonung mit MT5 eine dezentere Farbigkeit angestrebt, muß der Bleicher 1+40 bis 1+80 verdünnt werden um auf Zeiten zwischen 30 bis 60 Sekunden zu kommen.

Eine Vortonung bringt keine nennenswerte Farbtonveränderung, die Deckung ist etwas höher, die Schatten erscheinen weniger rötlich.

MT5 1+10 5min, Bleicher 1+20 30sec, MT5 1min






Bei starker Verdünnung (1+80 oder mehr) und kurzen Zeiten (15-30 Sekunden) werden nur die Hochlichter völlig gebleicht, die Übergänge zu den Mitteltönen sind fließend, die Lichter erhalten lediglich einen Hauch von Farbe.
Bei längeren Zeiten werden auch in dünnen Bleichern Mitteltöne und Schatten leicht angebleicht. Die durchgebleichten Partien erscheinen nach Tonung im MT5 gelb, zu den Schatten hin wird der Ton grünlich.

Bleicher 1+80 90 Sekunden
Toner MT5 1+40 30 Sekunden




Zum Vergleich ein Beispiel der Carbontonung
Die Wirkungsweise dieses (Schwefel-Selen) Toners bei direkter Tonung unterscheidet sich grundlegend von der des MT4 und MT5. Wie beim MT5 nimmt zu Beginn der Tonung die Maximalschwärzung zu, der Bildton wird kälter.

Nach etwa einer Minute geht der Farbton langsam in einen Aubergineton über, wobei der Ton von Lichtern und Schatten bis zu einer Tonungszeit von drei bis vier Minuten einheitlich bleibt.

Bei längeren Tonungszeiten, insbesondere bei höherer Verdünnug werden die Lichter wärmer bis zu einem rötlichgelb, die Schatten werden warmbraun.

MT2 Carbontoner 1+15 3 Minuten



Bei direkter Tonung in MT4 Siena und allen indirekten Schwefeltonungen, zeigt das MGW schon nach Entwicklung in Neutral- bis Kalttonentwicklern eine Neigung zur Splittonung. Wesentlich intensiver kommt diese Eigenschaft zum Vorschein, wenn mit höheren Lichtmengen und langsam arbeitenden Entwicklern geprintet wird. Der extrem langsame Catecholentwickler SE20c braucht beispielsweise eine Überbelichtung von mehr als einer Blende, wenn er alleine eingesetzt die volle Gradation bringen soll. Es reicht jedoch schon die Zweibadentwicklung in Kombination mit dem SE1 Sepia, um mit leichter Überbelichtung bei anschließender Tonung im MT4 Siena eine Zweifarbigkeit zu erzeugen, die sich von gleicher Tonung nach "Normalentwicklung" unterscheidet.

Alle bis hierher gezeigten Tonungsbeispiele wurden im Neutraltonentwickler (SE4 Neutral) entwickelt. Es ist durchaus nicht gleichgültig, welcher Entwickler vor Tonungen verwendet wird. Ob im Einzelfall ein besonders warmer, oder eher ein kalter Entwickler zu wählen ist, muß durch Versuche ermittelt werden. Bei dem einen oder anderen Toner können die Unterschiede so gering sein, daß man sie nur im direkten Vergleich sieht, beim MT4 springen sie auch ohne Vergleich ins Auge.






Zweibadentwicklung Catechol/Sepia
Tonung MT4 Siena 1+50 20 Sekunden

Voraussetzung für das Zustandekommen dieses Farbtons ist entweder eine extrem hohe Verdünnung des Toners zwischen 1+100 bis 1+500, oder wie hier bei 1+50 eine kurze Verweildauer im Tonerbad und anschließende Nachtonung im ersten Wasserbad. Hier wird die Tonung nicht unterbrochen, es findet lediglich eine Verdünnung des Toners statt. In diesem Bad verbleibt der Print für eine Minute oder länger, wobei zu beachten ist, daß dieser Toner noch bei Verdünnungen über 1+1000 wirkt. Im Interesse der Reproduzierbarkeit der Tonung muß also auch diese "Nachtonungszeit" notiert werden! Es folgen zwei bis vier Wasserwechsel in der Schale bis sich keine Trübung mehr zeigt, anschließend wird ausgiebig gewässert. Während der Wässerung und selbst bei der Trocknung wird sich der Bildton noch verändern. Vor dem ersten Wasserbad ist die Farbe noch einheitlich braun.

© Gerhard Fuhs



Soll der Farbton zwischen Lichtern und Schatten noch weiter auseinander liegen, ist die Lichtmenge zu erhöhen und der Zweitentwickler weiter zu verdünnen.





© Gerhard Fuhs