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Schwefeltonung
Teil 3
Direkte und indirekte Schwefeltonung auf MCC






Das unter ADOX-Label neu aufgelegte MCC unterscheidet sich vom Agfa-MCC durch die Farbe des Trägers. Gegenüber der zuvor leicht cremigen Einfärbung ist der Träger jetzt reinweiß. Ob dies so bleibt entscheidet letztlich der Anwender, für mein Empfinden hat das Papier durch diese Maßnahme an Brillanz gewonnen. Bei gleichem Entwickler werden infolgedessen insbesondere die Lichter kühler wiedergegeben. An den Möglichkeiten der Bildtonsteuerung durch die unterschiedlichen Entwickler hat sich nichts geändert, auch alle Tonungsverfahren können wie gewohnt eingesetzt werden.





IR-Aufnahme auf Efke in Finol
Links der ungetonte Abzug, entwickelt in SE4 Neutral




Der MT4 tont schneller und intensiver als der MT5. Trotz höherer Verdünnung und kürzerer Zeit sind die Ergebnisse kaum voneinander zu unterscheiden, wenn die Tonung mit MT4 im Sulfitbad unterbrochen wird.
MT5 Sepia 1+10 4 Minuten




MT4 Siena 1+40 45 Sekunden
Nach zweimaligem Wasserwechsel wurde die Tonung im 10%igen Sulfitbad gestoppt.

Wie stark der Toner ohne die Unterbrechung weitertonen würde, zeigt das nächste Beispiel.




MT4 Siena 1+40 20 Sekunden
Nachtonung im ersten Wasserbad eine Minute, Wässerung 30 Minuten

Bei kürzerer Zeit in gleicher Verdünnung, werden die Farben bei zugelassener Nachtonung rötlichgelb bis zu den Mitteltönen, die Schatten erscheinen blau bis blaugrün.

Bei stärkerer Tonerverdünnung, oder kürzerer Zeit im Toner und längerer Zeit im "Nachtonungsbad" wird der Spliteffekt noch intensiver.




MT4 Siena 1+40 90 Sekunden - Sulfitbad
Bei einer Tonungszeit von 60-70 Sekunden stellt sich bei gleicher Tonerverdünnung eine durchgehend dunkelbraune Farbe ein, danach wird der Ton rötlicher.

Hier wurde nach 90 Sekunden kurz gespült und anschließend mit dem Sulfitbad ein Weitertonen unterbunden.




Kältere Tone erzeugt der Carbontoner.
Zu Beginn der Tonung erscheint ein blauschwarzer Ton, die Maximalschwärzung steigt, nach etwa 30 Sekunden verändert sich die Farbe in Richtung Magenta. Selbst bei Tonungszeiten von mehr als acht Minuten geht die Schattendichte (bei diesem Papier und fetten Ansätzen) nicht wieder zurück. Diese Eigenschaft ist bei der Entwicklung des Prints zu beachten, sowohl Lichter als auch besonders die Schatten sollten vor einer Carbontonung etwas "luftiger" erscheinen.

MT2 Carbon 1+15 4 Minuten



Indirekte Tonung

Mit allen direkt auf das Silber wirkenden Tonern ist auch eine indirekte Tonung (nach Bleichung) möglich, allerdings tendiert der Farbton dann immer mehr oder weniger stark in eine wenig angenehme gelbliche Richtung. Bei identischer Bleichung bringt der MT5 noch den geringsten Gilb.





Bleicher 1+40 30 Sekunden
MT5 Sepia 1+10 60 Sekunden



Bleicher 1+40 30 Sekunden
MT3 Vario in dunkler Abstimmung 30 Sekunden


Wenn der Einsatz von Natrium- oder Polysulfidtonern bei indirekter Tonung keinen Vorteil gegenüber dem geruchlosen Thioharnstofftoner bietet, fällt die Wahl der Tonersubstanz nicht schwer.

Hier wird jedoch sichtbar, daß die Tonung mit Natriumsulfid über die gebleichten Bereiche hinausgeht und mit zunehmender Tonungszeit auch die Schatten erreicht werden, während der Thioharnstofftoner das verbliebene metallische Silber nicht zu tonen vermag, sondern nur dort wirkt, wo er ein Silbersalz (hier Silberbromid) vorfindet.


Vortonung: tonen - bleichen - tonen

Von den Lichtern bis zu den Schatten durchgehend rotbraune Bildtönen lassen sich durch Vortonung mit Schwefel- oder Selentoner erzielen.

Will man die Geruchsbelästigung durch Schwefeltoner ausschließen, bleibt nur der Selentoner um in Kombination mit Thioharnstoff ein relativ breites Spektrum an rotbraunen bis gelbbraunen Farben zu ermöglichen. Da der Selentoner von den Schatten zu den Lichtern wirkt, legt die Tonungszeit die räumliche Ausdehnung der Tonung fest, die Farbintensität wird über die Verdünnung gesteuert. Starke Ansätze kurz eingesetzt tonen nur die Schatten, erst bei langen Tonungszeiten werden auch die Lichter erreicht, die Farbsättigung ist hoch. Nach Bleichung steht dem Schwefeltoner nur wenig Bromsilber zur Verfügung, gelb kann dann nichts mehr werden, lediglich die (durch die Bleichung des Restsilbers) reduzierte Dichte wird wieder angehoben. Bei langen Tonungszeiten in stärker verdünnten Ansätzen werden die Lichter zwar etwas später erreicht, doch die Schatten sind nicht voll durchgetont, die resultierende Farbe nach der Schwefelung ist weniger rötlich.

An dieser Stelle sei nochmals darauf hingewiesen, daß die Selentoner aller mir bekannten Marken Thiosulfat enthalten. Vor der Bleichung muß also gründlich gewässert werden.

Eine Wässerung zwischen Fixierbad und Selentoner ist bei Verwendung alkalischer Fixer nicht erforderlich, nach sehr sauren Fixierbädern sollte etwa zehn Minuten gewässert werden.












Beispiel: MT1 Selen 1+10 2 Minuten
Die Schatten zeigen den typischen Selenton, nach anschließender Bleichung wird sichtbar, daß die unteren Mitteltöne gerade erst erreicht wurden, die Lichter bleichen völlig aus.

Eine Schwefelung der gebleichten Partien wird also immer noch einen leicht gelblichen Ton zur Folge haben.

MT3 Varioschwefeltoner (Thioharnstoff)
dunkle Abstimmung "E" (siehe Teil 1)
30 Sekunden

Im Unterschied zu der einfachen indirekten Tonung nehmen auch die (vorgetonten) Schatten einen rötlichen Braunton an.




Beispiel: MT1 Selen 1+10 6 Minuten
Nach etwa drei Minuten stellt sich bei fettem Ansatz ein Splitton ein, die Schatten erscheinen rot, die noch nicht voll getonten Dichten setzen sich farblich deutlich mit einem kühleren Ton ab. Der Fortschritt der Tonung ist so leicht zu beurteilen, erst wenn die Lichter gegenüber den benachbarten Tonwerten nicht mehr bläulich erscheinen, sondern ebenfalls in den roten Ton umschlagen, werden sie bei einer anschließenden Bleichung "stehen bleiben".

Nach sechs Minuten ist noch nicht alles verfügbare Silber zu Silbersenenid umgesetzt, so daß nach Rehalogenisierung die geringe restliche Menge mit Thioharnstoff "geschwefelt" werden kann.




Nach Bleichung sind Aufhellung und Farbveränderung so gering, daß sie nur beim feuchten Print erkennbar sind.
Links eine Photoshop-Bearbeitung um den Zustand der Veränderung vor der Trocknung zeigen zu können.




MT3 Vario Abstimmung C mittelbraun
Gegenüber der puren Selentonung nimmt die Farbsättigung geringfügig zu, die Maximalschwärzung bleibt erhalten.




Vortonung mit Schwefelnatrium
links MT5 1+10 4 Minuten


unten links Bleicher 1+80 90 Sekunden


unten rechts MT3 Vario in dunkler Abstimmung


Ob die zweite Schwefeltonung mit Natriumsulfid oder Thioharnstoff vorgenommen wird ist für das Ergebnis nicht von Bedeutung, deshalb wurde hier die geruchlose Variante eingesetzt.






Übertonen mit Selen





Statt als Vortonung kann Selen auch nach einer Schwefeltonung eingesetzt werden. Die nur schwach geschwefelten grünlichen Schattenpartien nehmen in Abhängigkeit von der Tonungsdauer einen mehr oder weniger starken Selenton an. Hier wurde fünf Minuten bei Verdünnung 1+10 getont, womit nicht nur die Schattendichten seleniert sind, auch die Lichter nehmen einen rötlicheren Ton an.