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Kobalt-Eisentonung




Die Kombination von Kobalt- und Eisentonung läßt sich einsetzen um intensive einfarbige Bildtöne von violett bis blau, oder Splittonungen zu erzeugen. Bei der Vielzahl der möglichen Varianten ist es unbedingt erforderlich, sich alle Schritte, wie Verdünnung, Tonungszeiten, und Wässerungszeiten exakt zu notieren, wenn künftige Ergebnisse nicht dem Zufall überlassen werden sollen.

Wie bei allen anderen Tonern, hat auch hier die Papierwahl einen großen Einfluß auf das Tonungsergebnis und wenn man es ganz genau nimmt, sogar der verwendete Entwickler.

Im Lieferumfang des MT12 Kobalttoner sind enthalten:
4 Konzentrate zum Ansatz des Kobalttoners
2 Konzentrate zum Ansatz des Eisensulfattoners
200g Natriumchlorid zur Erstellung einer Klärbadstammlösung (Verdünnung zur Arbeitslösung 1+9)

Alternativ, oder zusätzlich zum Eisensulfattoner kann auch der Eisencitrattoner geliefert werden.

Ansatz Kobalttoner (konfektioniert MT12)
Wasser (aqua dest.) 400ml
Teil 1 50ml
Teil 2 20ml
Teil 3 20ml
Teil 4 20ml


Eisen(III)-sulfat Toner (konfektioniert MT12)
Wasser (aqua dest.) 400ml
Eisen(III)-sulfat, 10%ige Lösung 20ml
Salzsäure, 15%ige Lösung 20ml


Ammoniumeisen(III)-citrat Toner (optional)
Wasser (aqua dest.) 400ml
Ammoniumeisen(III)-citrat, 10%ige Lösung 20ml
Schwefelsäure, 20%ige Lösung 40ml


Der Kobalttoner allein bringt noch keinen sonderlich interessanten Bildton, erst die Übertonung mit Eisen bringt Farbe und Dichte.

Vor der Tonung muß ausgewässert werden. Nach der Kobalt- und vor der nachfolgenden Eisentonung muß wiederum mindestens 20 Minuten gewässert werden, um Fleckenbildung durch Reaktion der Bleichersubstanz Hexacyanoferrat (Teil 4) mit den Eisentonern auszuschließen. Beide Blautoneransätze sind haltbar, wenn sie nicht mit Hexacyanoferrat kontaminiert sind und können bis zur Erschöpfung verwendet werden.

Eine Verkürzung der Zwischenwässerung auf die Hälfte der normalen Zeit ist möglich, wenn das (nicht sichtbare) in der Schicht noch vorhandene Hexacyanoferrat durch eine schwache Kochsalzlösung verdrängt wird.

Der Kobalttoner ist leider nur für 30-60 Minuten verwendbar, es sollte also nur soviel Arbeitslösung erstellt werden, wie unbedingt erforderlich. Für Prints im Format 24x30cm reichen 250ml völlig aus und bei zügigem Arbeiten sind sechs bis acht Tonungen möglich. Sobald der Toner trüb und dunkel wird, kann es zu Ablagerungen auf der Printoberfläche kommen. Diese Ablagerungen erscheinen meist erst an den Bildrändern oder auf der Rückseite. Sie können nach dem ersten Auftreten mit einem Wattebausch abgerieben werden, aber weitere Tonungen mit diesem verbrauchten Ansatz wären riskant.

Das Übertonen des Koaltbildes mit Ammoniumeisen(III)-citrat bringt eine von den Lichtern zu den Schatten durchgehende monochrome Tonung. Bei der Übertonung mit Eisen(III)-sulfat können sich zwei Farben einstellen, oder bei längerer Tonungszeit ein durchgehender Blaugrün-, oder Blauton.





Kobalt + Eisensulfat



Kobalt + Eisencitrat


Papier: Select VC Baryt (Forte PW14) Die Tonungszeiten in beiden Fällen waren identisch: Kobalt zwei Minuten und Eisen eine Minute.



Die Kombination von Kobalt- und Eisensulfattoner bietet ein breiteres Farbspektrum als die mit Eisencitrat, aber auch hierbei könnte durch eine kürzere Vortonung mit Kobalt eine kältere Schattenfarbe entstehen.
Die Zeit im Kobalttoner sollte mindestens eine Minute betragen, weil bei zu kurzen Zeiten zuviel Silber für den Eisentoner bleibt, einfarbige grüne oder blaue Tonungen wären die Folge. Wird dagegen die Zeit im Kobalttoner über vier Minuten ausgedehnt, sind auch die tiefen Schatten schon erreicht, eine Zweifarbigkeit kann nicht mehr erreicht werden. Andererseits ist auch eine völlige Übertonung des Kobaltbildes zu blauem Ton allen "Indirekten Blautonungen" insofern überlegen, als daß die Schattenpartien eine wesentlich höhere Dichte aufweisen, der Kontrastumfang des Ausgangsprints also erreicht, oder gar übertroffen wird.





Der Ausgangsprint auf PW14




Kobalt 2 Minuten - Eisensulfat 1:30 Minuten




Kobalt 2:30 Minuten - Eisensulfat 1:30 Minuten


Ammoniaknachbehandlung der oberen Tonung



Es wird deutlich, daß eine Verlängerung der Zeit im Kobalttoner dem folgenden Eisentoner (bei gleicher Zeit) nur noch die Schattenbereiche übrig läßt. Erst nach Verdoppelung der Tonungszeit im Eisentoner würde die Zweifarbigkeit zugunsten eines durchgehenden Blautons weichen. Sollen dagegen nur die grünen Bereiche in ein rötlich angehauchtes Blau verschoben werden, wird im Alkalibad nachbehandelt. Es macht durchaus einen Unterschied, ob zu diesem Zweck Borax, Soda, oder Ammoniak genommen wird. Ich selbst nehme gerne Ammoniak (hier 2ml 10%ig auf 400ml Wasser), weil es intensiv in die rötliche Richtung arbeitet. Borax wirkt dezenter in eine delftblaue Nuance, aber weil es langsamer wirkt, wird oft der richtige Zeitpunkt zum Abbruch verpasst, denn bei starker Reduzierung der Farbe schwindet auch die Dichte.
Die Wechselwirkung zwischen den beiden Tonern verläuft immer gleich, besonders farbig reagieren Warmtonpapiere. Bei höherem Bromsilbergehalt von Mischemulsionen, oder bei reinen Bromsilberemulsionen, oder auch bei Jodsilberemulsionen sind die Farben etwas dezenter.

Ob uns jemals wieder Warmtonemulsionen wie die aus Forteproduktion zur Verfügung stehen werden, kann heute noch nicht gesagt werden. Für dieses Verfahren haben wir jedoch die Qual der Wahl bei den Alternativen.

Die folgenden Beispiele wurden auf Kentmere Kentona mit Neutraltonentwickler (SE4) geprintet.




Kobalt 3min Eisen 45sec


Kobalt 3min Eisen 1:30min



Bei gleicher Kobalttonung sieht man, wie die Eisentonung von den Schatten ausgehend wirkt. Die Dichtezunahme (oben rechts) ist höher als bei kürzerer Kobalt und längerer Eisentonung (unten links).




Kobalt 1:50min Eisen 3min



zum Vergleich die direkte Blautonung mit MT7


Vortonungen mit Selen und Schwefel sind möglich. Hier ein Beispiel für die Kombination von Thioharnstoff-, Kobalt- und Eisentoner.
Werden nur die Hochlichter geschwefelt und relativ lang in Kobalt getont, kann der Eisentoner auf das Kobaltbild nur noch verstärkend wirken.

MT3 Vario-Schwefeltoner
Bleicher 1+80 30sec
Thioharnstofftoner Abstimmung A gelb

Kobalttoner 2:30min

Eisentoner 1 min




Kobalt- vor Eisentonung

Unabhängig vom verwendeten Papier, ist die Kobalttonung nicht nur farblich wenig spektakulär, die Prints erscheinen hell und flau.




Fomabrom nach Kobalt 3min




Eisensulfat 3min nach Kobalt




Ilford MGW nach Kobalt 3min


Eisensulfat 3min nach Kobalt


Eine kurze Selentonung wie unten beim Fomabrom (1+10 1min) verschiebt nicht nur, wie zu erwarten war, die Farbe der Schatten. Da die dunklen Bereiche im Eisentoner schon nach zwei Minuten mindestens die gleiche Dichte zeigen wie nach drei Minuten ohne Vortonung, kann die Tonung abgebrochen werden, wenn die Farbe der Lichter sich absetzen soll. Würde man jetzt weitertonen, zögen auch die Lichter in einen blaueren Ton und die Schatten würden zulaufen. Ist also ein durchgehender blauer Ton ohne Anflug von Grün erwünscht, muß etwas "luftiger" geprintet werden.




Fomabrom Selen 1+10 1min Kobalt 3min




Eisensulfat 3min nach Selen und Kobalt




Polywarmton nach Kobalt 2min



Eisensulfat 3min + Ammoniaknachbad 1min zur
Reduzierung der Farbsättigung der Mitteltöne


Sollen die Tonungen weniger farbintensiv ausfallen, ist die Tonungszeit im Kobalttoner zu verkürzen und der Eisentoner stärker zu verdünnen.

Sind Farbtöne zwischen Magenta und Violett erwünscht, ist nur kurz mit Eisen zu übertonen, mit zunehmender Dauer wird der Print im Eisentoner bläulicher.











Infrarotaufnahme Efke (MACO) IR820c
ADOX Easy Print VC PE in SE6 Blue

links oben: Kobalttonung 60 Sekunden

rechts oben: Eisentonung 30 Sekunden

links: Eisentonung 90 Sekunden






Kentmere Fine Print VC
entwickelt in SE6 Blue
Diese neutral bis kühle Emulsion läßt sich zu intensiver Farbigkeit tonen, wenn die Tonungszeit im Kobalttoner zwischen 2-4 Minuten liegt und der Eisentoner geringfügig stärker angesetzt wird, oder wenn sein Säregehalt leicht erhöht wird.




Ilford MG Warmton
rechts der typische Farbton nach Kobalttonung
links übertont mit Eisen




Tonungen aller Art können natürlich auch nach einer Zwischentrocknung erfolgen. Bei einigen Tonungsverfahren ist eine Trocknung der zu tonenden Prints sogar von Vorteil, weil die Gelatine widerstandsfähiger wird.
Falls auf Sieben getrocknet wird, dürfen die Abzüge keinesfalls wie sonst üblich, mit der Schichtseite nach unten aufgelegt werden, weil dann bei allen nachfolgenden Tonungsverfahren mit Bleichern ein Abdruck der Siebstruktur das Bild ruinieren könnte. Auch Trockenpressen sollten nicht verwendet werden, denn die Tücher sind in den seltesten Fällen wirklich sauber.





Selen vor Kobalt




Polywarmton nach Selen 1+10 45sec und Kobalt


Eisensulfat 3min



Nach einer Selenvortonung ist der Dichteverlust nach der Kobalttonung gering. Die Warmtonemulsionen von Forte sprechen schnell auf Selentonung an, deshalb ist nur kurz zu tonen, oder stärker als 1+10 zu verdünnen. Der Eisentoner findet nicht mehr viel ungetontes Silber vor, entsprechend gering ist seine bläuende Wirkung. Erstaunlicherweise verstärkt er nur die relativ stark selenierten Schatten, die Lichter nehmen selbst bei einer Tonungszeit von drei Minuten keine Spur von Blau an, sondern erscheinen leuchtend rötlichgelb.


Lith- und Polychromentwicklung

Da die Form des ausgeschiedenen Silbers bei Lithentwicklung, oder Zweibadentwicklung mit Lith als Erstentwickler in Lichtern und Schatten von unterschiedlicher Größe und Struktur ist, sind Splittonungen, also farbige Trennung von Tonwertgruppen leichter zu realisieren als bei konventioneller Entwicklung.

8



Select VC (PW15)
Zweibadentwicklung Lith+Siena

Kobalt 1:30min
Eisensulfat 30sec




Fomatone MG 132
Zweibadentwicklung Lith+Siena

Kobalt 75sec
Eisensulfat 45sec




Kobalt + Ammoniumeisen(III)-citrat (MT7 mit Bleicher)




Polychromeprint (Lith+Siena) auf Select VC (PW)





Kobalt + Blautoner MT7
salzsaurer Ammoniumeisen(III)-citrat /
Hexacyanoferrat-Toner


Wird nach der Kobalttonung mit dem normalen Ansatz des MT7 Eisentoners (also mit Bleicher-substanz Hexacyanoferrat) "umgetont" ist die Wirkung der Tonung auf die einzelnen Dichtebereiche deutlich unterschiedlich zu den bisher vorgestellten Eisentonern ohne Bleicher. In Abhängigkeit der Intensität der Kobalttonung stellt sich Violett bis Magenta bei ausgedehnter Eisentonung nur in den Mitteltönen ein, die Lichter werden blaugrau, die Schatten zunächst tiefblau um dann ins blaugrüne zu kippen, wobei die Dichten immer weiter zurückgehen bis auch die tiefste Schwärzung zu blau-grünem Ton umschlägt. Im Gegensatz zu den bisher gezeigten Übertonungen mit Eisen nehmen die Schattendichten also nicht zu, sondern gehen zurück. Bei der hohen Silberdichte der Schatten von Polychromeprints kann diese Eigenschaft genutzt werden, weil das Lithschwarz dem Toner einen erheblich größeren Widerstand entgegensetzt, als die benachbarte hellere Schattenzone. Verpaßt man aber den richtigen Zeitpunkt des Abbruchs, wird auch das Zone-I-Schwarz irgendwann grün.




Kobalt + MT7 Eisenblau


wie links + Kupferverstärker


Die Arbeit mit einem "direkten Eisentoner" beschert uns natürlich auch wieder den "Ferri-Gilb" und damit die Notwendigkeit eines Entgilbungsbades vor der Schlußwässerung. Bei dem bis hierhin betriebenen Aufwand macht das den Kohl nicht fetter als er ohnehin schon ist.

Die Bildweißen, dazu gehört insbesondere natürlich auch der unbelichtete Bildrand, sollten ebenso weiß erscheinen wie vor der Tonungstortur. Nicht jedes Papier macht das klaglos mit, ein leichtes Eingehen der Weißen mag tolerabel sein, fleckige Ränder sind fehlerhaft.

Im Normalfall reicht eine etwa 2%ige Natriumchloridlösung zur Entfernung der Ferrisalze aus. Die Klärbad-Pulvermischung der Toner MT7 und MT12 enthält neben Natriumchlorid ein Citrat zum Absäuern der Lösung, doch als Alternative ist eine reine Kochsalzlösung (ohne Iodidzusatz) ausreichend.




Select VC
Kobalttoner kurz nur 45 Sekunden bringt einen dem Motiv angemessenen zarten Lichterton.

Der etwas fetter angesetzte MT7 tont bei 20-30 Sekunden nur bis in die Mitteltöne.

Die Bildweißen klären nach zwei Minuten im Kochsalzbad und um die grünen Schattendichten nicht durch die leichte Alkalität des Leitungswassers zu reduzieren, wurde in leicht angesäuertem Wasser (einige Tropfen Essig- oder Zitronensäure zum Wasser), bei mehrmaligem Wechsel in der Schale gewässert.




Dieser Print wurde etwas länger getont:
Kobalt 1:30min und MT7 45sec
Die dunkelste noch strukturierte Schattenzone unter der Türschwelle ist dunkelgrün, die anschließenden Zonen sind bläulich, die Lichter erscheinen mit geringer Deckung und wenig Farbe.

Die Klärung der Bildweißen ist hier nicht vollständig gelungen, eine zartgelbe Einfärbung ist noch vorhanden. Zur Verdeutlichung habe ich die Farbsättigung des Bildrandes im PS um 50% erhöht.