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Indirekte Eisentonung
In der Literatur werden in der Regel Toner und Bleicher zusammen aufgeführt. Zwingend erforderlich sind diese Kombinationen nicht immer.

Tonersubstanzen:
Eisen(III)-sulfat, Eisen(II)-sulfat, Ammoniumeisen(III)-sulfat, Ammoniumeisen(III)-citrat, Eisen(III)-oxalat

Säuren:
Salzsäure, Schwefelsäure, Salpetersäure, Zitronensäure, Essigsäure, Oxalsäure, Weinsäure

Bleicher:
Kaliumhexacyanoferrat (rotes Blutlaugensalz, Kaliumferricyanid) mit oder ohne Zusatz von Soda, Ammoniak, Kaliumoxalat


Die interessantesten Rezepturen für den Selbstansatz im Überblick:

Bleicher #1 - Kaliumhexacyanoferrat 2-10%ige Lösung
Bleicher #2 - Kaliumhexacyanoferrat 40g, Kaliumoxalat 40g auf 1 Liter Wasser
Bleicher #3 - Kaliumhexacyanoferrat 20g, Ammoniak 100ml 10%ig auf 1 Liter Wasser

Alle drei Bleicher arbeiten mit Warmtonemulsionen sehr schnell und durchgreifend, für reine Bromsilberemulsionen, oder Chlorbrommischemulsionen sind die Bleicher #2 und #3 vorzuziehen.

Wichtig! Nach der Bleichung muß ausgiebig gewässert werden. Es reicht nicht unbedingt aus, nur bis zum Verschwinden der gelben Einfärbung zu wässern. Rückstände von Ferrizyanid reagieren mit den Tonersubstanzen und es fällt ein blauer Farbstoff aus (siehe auch direkte Tonung), der sich auf der Printoberfläche niederschlagen kann und die Lebensdauer des Toners drastisch verkürzt.

Toner #1 nach Agfa
Aqua dest. 800ml
Eisen(III)-oxalat (giftig und teuer) 20g
Oxalsäure 10g
Kaliumbromid 10g
mit aqua dest. auffüllen auf 1 Liter

Toner #2 nach Eder
Aqua dest. 700ml
Eisen(III)-sulfat 1,8g oder 18ml 10%ige Lösung
(alternativ Ammoniumeisen(III)-sulfat 175ml 10%ige Lösung)
Salzsäure 15%ig 40ml
Kaliumbromid 9g oder 90ml 10%ige Lösung

Toner #3 Somerville
Aqua dest. 800ml
Eisen(II)-sulfat 20g
Salzsäure 10%ig 100ml
mit aqua dest. auffüllen auf 1 Liter

Alle Kombinationen der angeführten Bleicher und Toner ergeben grünblaue oder reinblaue Bildtöne, wobei sich sowohl Nuancen im Farbton, als auch unterschiedliche Dichten ergeben können. Einige Kombinationen können mit dem einen oder anderen Papier eine unschöne gelbliche Einfärbung der Bildweißen verursachen. In diesen Fällen muß eine Nachbehandlung mit verdünnter Schwefel-, Zitronen- oder Salzsäure erfolgen, die Gelatine wird "entfärbt", die Bildfarbe bleibt erhalten. Bei Gabe von 2-5ml 15-20%iger Säure auf 100ml Wasser, beträgt die Klärzeit zwei bis drei Minuten. Soll der grünblaue Ton in ein reines Blau, oder Delftblau überführt werden, folgt eine Nachbehandlung in einem schwachen Alkalibad (Borax, Soda, Ammoniak).




Fomabrom Variant III
Bleicher #1 2%ig 2:30min
Toner #1 30sec




Gelatineeinfärbung geklärt mit schwach
schwefelsaurer Lösung



Gegenüber dem ungetonten Print nimmt die Schattendichte ab, der Kontrast ist unbefriedigend.
Eine Nachbehandlung mit dünner Ammoniaklösung verändert die Farbe je nach Dauer in reineres Blau oder Magenta. Dabei nimmt die Schwärzung zunächst zu, erst bei längeren Zeiten verliert der Print, ausgehend von den Lichtern, Farbsättigung und Dichte.

Nach etwa 30 Sekunden hat die Farbe einen starken Stich ins Rötliche, würde man jetzt schon abbrechen, ginge die Farbänderung in der Wässerung wieder etwas zurück in die ursprüngliche Richtung. Soll der trockene Print so erscheinen wie hier, sind 50-60 Sekunden Nachbehandlung erforderlich.

 


Fomabrom Variant III
Bleicher #1 2:30min
Toner #2a 30sec
Auch nach diesem Toner sind Vorder- und Rückseite gelblich eingefärbt.
Bild links nach Schwefelsäure-Klärbad

Die Lichterfarbe unterscheidet sich nicht sehr stark von der des ersten Beispiels, aber insgesamt ist die Tonung dunkler, der Kontrast besser. Die Oberfläche ist im getonten Bildbereich stumpfer als am weißen Bildrand.



Auch die Bleicher #2 und #3 zeigen mit den Tonern #1 bis #3 ein ähnlich starkes Eingehen der Bildweißen. Darüber hinaus bleibt festzuhalten, daß bei abnehmendem Gehalt an Eisensalzen die Umsetzung von Silber zu Farbstoff keine vollständige ist - die Abzüge dunkeln umso stärker nach, je weniger Eisen(III)-Salz sich in der Lösung befindet.





Fomabrom Variant III
Bleicher #2 30sec
Toner #3 Eisen(II)-sulfat 30sec
Farbe nach Trockung: Blaugrün
Nach einigen Stunden Lichteinwirkung dunkelt der Print nach, die Farbe geht in ein reineres Blau über.




Der Somerville-Toner
(Bleicher 3 und Toner 3)
Wird bei diesem Papier (!) nur30 Sekunden gebleicht um (wie bei der Schwefeltonung) die Schatten in möglichst tiefschwarzem Ton zu erhalten, stellt sich bei der Tonung mit Eisensulfat ein unerwarteter, in diesem Fall auch nicht erwünschter Effekt ein. Die Schatten werden verstärkt bei völlig glanzloser Oberfläche, an den Übergängen zu den Mitteltönen stellt sich ein Solarisationseffekt ein, die Lichter tonen blau bei glänzender Oberfläche.

Eine Überprüfung mit einer anderen Bleicher/Toner-Kombination zeigte dagegen die erwartete Wirkung.


Bleicher #2 30sec
Toner #2 30sec
Bei gleicher Verarbeitungszeit wie oben, aber mit einer anderen Kombination von Bleicher und Toner funktioniert es dann doch wie erwartet.

Nach einer Bleichzeit von 30 Sekunden blieben die tiefen Schatten stehen. Die Tonung ist sauber, der Glanz bleibt erhalten, der weiße Bildrand ist nur schwach gelblich belegt, ein kurzes Bad in schwach mit Zitronensäure angesäuertem Wasser klärt die Weißen.



Die Somerville-Formulierung scheint nach allen meinen Versuchsergebnissen nicht für jedes Papier geeignet. Die Schriften von Somerville stehen mir leider nicht zur Verfügung, aber es soll wohl so sein, daß sich seine Veröffentlichungen zu dem Thema ausschließlich auf Bromsilberpapiere beziehen. Das Fomabrom ist seinem Namen nach ein solches und warum es dann nicht entsprechend eindeutig reagiert, kann ich nicht beurteilen. Bei Oberflächenvergleich mit anderen Papieren, insbesondere nach Malträtierung der Gelatine durch extrem lange Entwicklungszeiten, oder durch hochalkalische Toner, ist die Oberfläche weniger glänzend. Dies deutet auf schwache Härtung der Gelatine hin, was auch einige Tonungsprobleme erklären würde. Erstaunlicherweise hat der warme Bruder aus dem gleichen Haus überhaupt kein Härtungsproblem, selbst bei höchster Belastung der Gelatine zeigt die Oberfläche des Fomatone MG 131 einen feinen Glanz.





Fotokemika Variocon
Adox Fine Print Vario Classic
Maco Multibrom

Die neutraltonige VC-Bromsilberemulsion von Fotokemika tont bestens mit allen Formulierungen, aber sie dunkelt auch ganz erheblich nach.

Der Somerville Toner
(Bleicher #3 und Toner#3)
rechts 90 Sekunden gebleicht,
links 30 Sekunden gebleicht
Toner 60 Sekunden
Links der Farbton unmittelbar nach der Trocknung
Weiter unten die Veränderung durch Lichteinwirkung




Kentmere Fineprint VC
Bleicher #2 fast vollständig gebleicht
Toner #2a Eisen(III)-sulfat

Auch diese Tonung dunkelt geringfügig nach, auch hier wird die Farbsättigung der hellen Tonwertbereiche geringer, die Schatten werden vertieft.


Agfa MCC
Bleicher #2 60 Sekunden

Toner
links #2a Eisen(III)-sulfat
rechts #2b Ammoniumeisen(III)-sulfat

Rechts oben ist der Säuregehalt so hoch wie in der Vorschrift angegeben, rechts unten ist er um die Hälfte reduziert.

Zur vollständigen Umsetzung hoher Dichten ist also ein ganz bestimmter Säuregehalt erforderlich. Eine Verlängerung der Tonungszeit ändert nichts am Ergebnis, die tiefen Schatten werden von der Tonung nicht erreicht.



Welche der beiden Eisensalze verwendet wird, spielt wie man sieht keine große Rolle. Das Eisen(III)-sulfat tont bei gleichem Säuregehalt des Toners etwas grünlicher als das Ammoniumeisen(III)-sulfat.


 
Warmtonpapiere dunkeln unter Lichteinwirkung besonders stark nach.
Die Probe auf Select Ivory (PW17) - gebleicht in Bleicher #2
linke Hälfte getont in Eisen(II)-sulfat
rechte Hälfte getont in Ammoniumeisen(III)-sulfat

Die hellblauen Streifen zeigen die Farbe unmittelbar nach der Trocknung, dort wurde die Probe abgedeckt und für drei Stunden direktem Sonnenlicht ausgesetzt.

Auch das Bromsilberpapier dunkelt nach. Der ursprünglich leuchtendblau erschienene, im Vergleich zur ungetonten Vorlage zu helle Ton wird erheblich dunkler, die Farbintensität geht zurück.






Kentmere Kentona
Auch bei diesem Papier liegen Farbton und Dichte endgültig erst nach längerer Tageslichteinwirkung vor.

Links der Scan unmittelbar nach der Trocknung, rechts nach einstündiger Einwirkung direkten Sonnenlichts.

Unterschiedliche Kombinationen von Bleicher und Toner zeigen keinen grundlegend anderen Effekt, lediglich die resultierende Farbe ist leicht unterschiedlich



Bleicher #1 (2%ig 90sec) Toner #1


Bleicher #2 (60sec) Toner #1


Der Bleicher #1 (Haxacyanoferrat pur) wirkt in 2%iger Lösung natürlich langsamer als die fetteren Ansätze der Bleicher #2 und #3. Unabhängig von der Konzentration und bei ausreichend langer Wässerung vor der Tonung zeigt sich bei Verwendung des Bleichers #1 in Kombination mit allen Tonern und bei jedem Papier in der Tendenz ein leichtes Vergilben der Bildweißen. Der Zusatz von Kaliumoxalat (#2), oder Ammoniak (#3) zur Bleichersubstanz begünstigt offensichtlich die Reinhaltung der Weißen.





Zum Vergleich die Wirkung des direkten Toners MT7
Der Kontrastumfang ist höher. Bei gleicher Lichterdichte haben die Schatten eine höhere Schwärzung als bei indirekter Tonung und auch gegenüber der ungetonten Vorlage.

Die Messwerte bestätigen den visuellen Eindruck.
Kentmere Kentona in SE4 NEUTRAL 2min


Dmax ohne Tonung 2.15 logD
Bleicher #1 / Toner #1 1.93 logD
Bleicher #2 / Toner #1 1.99 logD
MT7 (90sec) 2.44 logD



Auch das Ilford MGIV tont hellblau bei reduzierter Schwärzung und nimmt erst mit der Nachdunklung durch Lichteinwirkung einen weniger intensiven, doch sehr schönen Farbton an. Die Mitteltöne sind reinblau, ohne jeglichen Anflug von Grün, die Lichter zeigen einen Hauch von Magenta.
Bleicher #2
Nach 90 Sekunden ist nur bis in die Mitteltöne gebleicht und nach der Tonung zeigen nur die gebleichten Bereiche einen hellblauen Ton. Wird jetzt nicht sofort ausgiebig gewässert, so kann im ersten Wasserbad, besonders wenn dieses leicht angesäuert ist, ein stärkeres Tonen der nur angebleichten Schatten beobachtet werden.




Fazit

Die indirekte Eisentonung bringt nur dann reproduzierbare Ergebnisse, wenn man die Eigenarten der verwendeten Materialien kennt und den gesamten Prozeß standardisiert. Jegliche Abweichung von erprobten Arbeitsabläufen kann zu (meist) unliebsamen Überraschungen führen. Als ein Vorteil gegenüber der direkten Eisentonung mag die nahezu unbegrenzte Haltbarkeit der verwendeten Lösungen erscheinen, doch bei dem, hier wie dort betriebenen Aufwand, fallen die Kosten der verwendeten Lösungen kaum ins Gewicht.

Auch hier läßt sich jedoch feststellen, daß die teuren, hochwertigen Papiere durchaus Vorteile gegenüber den preisgünstigeren haben. Lediglich das recht wohlfeile Kentmere Fine Print kann mit den Ilfordpapieren und dem MCC bei der Qualität der Tonungsergebnisse mithalten. Wer nicht unbedingt eine zusätzliche Befriedigung durch Schaffung eigener Werkzeuge sucht, ist mit dem konfektionierten Eisentoner MT7 besser bedient. Probleme wie Nachdunklung, Fleckenbildung und Verlust des Oberflächenglanzes sind hier bei sachgemäßer Anwendung nicht zu befürchten.