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Polychrome Entwicklung Teil 1: Lith + Siena Grundlagen
In einigen Veröffentlichungen der letzten Jahre habe ich die Möglichkeiten farbiger Entwicklung von Schwarzweiß-Papieren beschrieben. Für die Anwender des Polychrome-Kits soll hier detaillierte Hilfestellung gegeben werden.

Das Prinzip farbiger Entwicklung

Starke Überbelichtung und Hervorrufung in langsamen, verdünnten Entwicklern mit nur einer (!) Entwicklersubstanz, lassen warmbraune bis rotbraune Bildtöne entstehen. Dabei wird der Ton umso farbiger, je höher die Lichtmenge ist und je höher die Lichtmenge, desto stärker muß der Entwickler verdünnt werden. Extrem stark verdünnte Entwickler können aber keinen vollen Tonwertumfang erzeugen, die Lichter sind farbig und fein differenziert, aber eine Schwärzung der Bildschatten wird unmöglich. Dieses Problem wird gelöst durch die Zweibadentwicklung mit Lith als Erstentwickler.

Das Polychrome-Kit enthält die beiden Komponenten des Lith-Entwicklers und ein Glyzin-Entwicklerkonzentrat von geringer Alkalität, sowie die Aktivatorlösung (Kaliumcarbonat + Antischleiermittel), eine Ammoniumchloridlösung zur Bildtonsteuerung und Lth D als optionales Antischleiermittel.

Ansatz der Arbeitslösungen

Bis eigene Erfahrungen vorliegen, sollten die im Beipackzettel vorgeschlagenen Ansätze verwendet werden.

Der Lithentwickler wird (mit 1+7 bis 1+15) fetter angesetzt als bei der puren Lithentwicklung, die Schwärzung der Schatten soll nicht am Ende des Entwicklungsprozesses einsetzen, sondern schon nach zwei bis fünf Minuten. Mitteltöne und Lichter dürfen nur schwach erkennbar sein und werden erst im Zweitentwickler "ausentwickelt".

Der Zweitentwickler wird aus den drei Komponenten angesetzt. Der pH-Wert des Glyzin-Entwicklers Siena ist so niedrig eingestellt, daß bei Verdünnung mit Wasser nur geringes Entwicklungsvermögen besteht. Als Aktivator dient die Carbonatlösung, die benötigte Menge ist vom gewünschten Bildergebnis abhängig, in der Regel sollten Entwickler und Aktivator bei einem Verhältnis von 2:1 bis 1:1 liegen. Ohne einen Zusatz von Ammoniumchlorid ist auch bei starker Verdünnung mit Wasser keine deutliche Farbigkeit zu erwarten. Carbonat und Ammoniumchlorid zu gleichen Teilen erzeugt rote Töne, bei starkem Überschuß von Carbonat stellt sich ein dichroitischer Schleier ein, der durch Zugabe des Antischleiermittels (Lith D) unterdrückt werden muß. Bei Überschuß von Ammoniumchlorid entstehen gelbliche Töne. Für den Anfang ist es also sinnvoll, zunächst mit einer geringen Menge Ammoniumchlorid (ca. 50% des verwendeten Entwicklerkonzentrates) zu starten und Carbonat nur in der Menge zuzugeben, bis sich der gewünschte Bildton einstellt.

Die beiden Entwickler Lith und Siena müssen in ihrer Wirkung auf die gewählte Lichtmenge abgestimmt werden. Je nach Höhe der Verdünnung ist eine Überbelichtung von einer halben bis zu fünf Blenden erforderlich. Weil Gradationsfilter eine Menge Licht schlucken, bei der Lithprinttechnik aber keinen Vorteil bringen, ist im Interesse kurzer Zeiten mit Weißlicht zu belichten. Es kann durchaus schon ausreichend sein, die Belichtungszeit eines gefilterten konventionellen Prints zu übernehmen, wenn der Lithprint mit Weißlicht belichtet wird.

Zunächst wird die erforderliche Belichtungszeit für den Erstentwickler ermittelt. Die Lichtmenge, die zwischen zwei und fünf Minuten die tiefen Schatten im Lithentwickler hervorruft, wird dann für einen Probestreifen im Zweitentwickler übernommen. Die Verdünnung des Zweitentwicklers ist dann so wählen, daß Lichter und Mitteltöne nach einer Entwicklungszeit zwischen einer bis drei Minuten stehen. Wenn die Proben in beiden Entwicklern (bei identischer Belichtungszeit!) die gewünschte Deckung aufweisen, kann die Zweibadentwicklung auf Anhieb das gewünschte Ergebnis bringen. Wird der Print insgesamt zu schwer, ist die Belichtungszeit geringfügig zu verringern, oder der Zweitentwickler etwas stärker zu verdünnen.



Beispiel aus einem Workshop, Photo Edgar Zieser



Testentwicklung Lith und Siena solo




Zweibad: Belichtungs- und Entwicklungszeit wie oben



Für den Einstieg in die Technik empfehle ich Fomatone oder Kentona. Auf Fomatone lassen sich farbige Bildtöne zwischen Gelb und Purpur entwickeln. Unabhängig von der Abstimmung des Zweitentwicklers erscheinen die im Lithentwickler hervorgerufenen Schatten grünlich.




Erstentwickler Easy Lith 1+15 bei allen Beispielen jeweils ca. 4min
Zweitentwicklermischung links: Siena+Ammoniumchlorid+Kaliumcarbonat 50:25:25:1000 für gelbliche Töne.

Zweitentwicklermischung Mitte: 50:40:40:1000 +10ml Lith D
Verbunden mit einer stärkeren Überbelichtung entstehen rötlichere Mittel- und Lichtertöne.

Rechts: Eine Selentonung verschiebt die Farbe der Schatten in Richtung Magenta, der Print wird dabei insgesamt erheblich dunkler und sollte deshalb vor der Tonung noch kein Maximalschwarz aufweisen.


Sind die Lichter infolge zu hoher Lichtmenge belegt, oder ist der Grundschleier wegen einer hohen Dosis von Ammoniumchlorid stark angestiegen, kann vor der Tonung eine Lichterbleichung (Bleicherverdünnung 1+100 bis 1+200 bei 15-30sec) vorgenommen werden.

Die oft gestellte Frage, wie Negative für die Lith- und Polychrometechnik aussehen sollten ist leicht zu beantworten. Natürlich ist das "perfekte Negativ" auch hier kein Fehler, aber nicht unbedingt Voraussetzung. Schwierigste Negative, selbst solche der "unprintbaren" Art können mit dieser Technik zu Papier gebracht werden. Die folgenden Beispiele mögen dies verdeutlichen.

Bei der Zweibadentwicklung mit Lith kann der Partialkontrast beeinflusst werden. Weisen Negative beispielsweise einen hohen Kontrastumfang wegen Unterbelichtung und Überentwicklung auf, reicht eine Gradationsfilterung und Abhalten und Nachbelichten oftmals nicht aus.

Bei dem Beispiel unten ist der Himmel stark gedeckt, die für volle Zeichnung erforderliche Lichtmenge würde die Schatten völlig zulaufen lassen.





Das Negativ stellte mir freundlicherweise Jon Boner zur Verfügung






Eine Ausarbeitung noch konventionell im Bildton, doch auch als Zweibad mit Lith. Alle Möglichkeiten der Kontrastbeeinflussung der Filterung bei Splitbelichtung wurden genutzt. Die Gelbfilterung wurde im unteren Bereich abgehalten, der Himmel wurde mit mittlerer Gradation nachbelichtet. Um die Schattenpartien noch weiter aufzusteilen, wurde im Lithentwickler (1+10) an- und in SE1 Sepia Entwickler (1+15) ausentwickelt. Die Belichtungszeit wurde so gewählt, daß die Lichter die erforderliche Zeichnung im Sepia-Entwickler zeigten. Die Entwicklungszeit in beiden Entwicklern betrug zweieinhalb Minuten. Da keine lithtypische Überbelichtung erfolgte, konnte der langsame Lithentwickler lediglich die Schatten anentwickeln, ohne schon volle Schwärzung zu produzieren. Die angelegten Keime schwärzt der Zweitentwickler sofort, wobei die vorhandene Differenzierung erhalten bleibt, die Mitteltöne und Lichter brauchen die sonst auch übliche Zeit.
Für die polychrome Entwicklung mit Lith und Siena muß wesentlich länger belichtet werden. Alle oben beschriebenen partiellen Eingriffe wurden auch hier vorgenommen, wobei auf den weichen Gelbfilter zugunsten des stärkeren Weißlichts verzichtet wurde.

Die Grundbelichtung setzte sich zusammen aus der Magentafilterung für die Schatten und Weißlicht für die Lichter. Die Nachbelichtung für den Himmel mußte überwiegend mit Magentafilter vorgenommen werden um den Kontrast im Bereich der Lichter nicht zu stark abflachen zu lassen.





So sieht ein Polychromeprint typischerweise vor der Trocknung aus. Es ist zu beachten, daß der Print bei der Trocknung stark nachdunkelt und die Farbigkeit intensiver wird.




Der trockene Print vor der Tonung


Ist der grüne bis blaugrüne Schattenton unerwünscht, wird in Selen getont. Bei einer Verdünnung des Toners von 1+25 wird während der ersten halben Minute lediglich die Schwärzung verstärkt, dann werden die Schatten langsam zu einem warmen Rot, später zu Magenta umgetont. Da die Silberdichte im Lichterbereich bei Lith- und Polychromeprints nicht sehr hoch ist, ist die tonende Wirkung dort gering, zumal der Selentoner die Lichter immer erst nach längerer Einwirkungszeit erreicht.




MT1 Selentoner 1+25 3min




MT1 Selentoner 1+25 6min