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Polychrome Entwicklung Teil 2: Verfahrensvarianten
Bei Negativen mit zu geringem Kontrastumfang ist eine tonwertrichtige Wiedergabe mit konventionellen Einbadverfahren nicht möglich. Nur die beiden Papiere Ilford MGW und Agfa MCC bringen noch befriedigende Ergebnisse bei einem Kontrastumfang unter 0.70 logD. Bei noch dünneren Negativen hilft dann auch kein Top-Papier (mit echter Gradation 5) mehr, bei 0.50 bis 0.60 logD müssen die eng beieinander liegenden Tonwerte durch kontrastreich arbeitende Entwickler auseinander gezogen werden. Auch hierfür bietet sich die Zweibadentwicklung mit Lith als Erstentwickler an, oder die Zweibadtechnik mit getrennter Entwickler- und Alkalilösung, oder gar eine Kombination von beidem.



Photo: A.S.C.

Polanegative vom Typ 55 sind sehr zart, wenn das Positiv einigermaßen richtig belichtet erscheint. Erst wenn das Positiv wegen Überbelichtung zu hell ist, stimmen die Negativdichten. Den Profiphotographen juckt das in der Hektik wenig, das Negativ ist oftmals nur ein Nebenprodukt der Belichtungskontrolle, das nichtsdestotrotz für alle Fälle und ohne große Sorgfalt aufbewahrt wird. Nun haben Polas im Allgemeinen und diese Testschüsse im Besonderen ihren eigenen Reiz und gar nicht so selten können die folgenden Schüsse auf Rollfilm, trotz oder wegen technischer Perfektion, nicht die gleiche Intensität aufweisen, nicht den "authentischen" Eindruck der Bildidee vermitteln wie ein solchermaßen fehlerbehaftetes Pola.





Erwartungsgemäß fällt die Vergrößerung mit Gradation 5 unbefriedigend aus. Die Schatten sind noch nicht richtig schwarz, die Lichter grau.




Zweibadentwicklung mit Lith und VGT bei Gradationsfilter 4
Trotz der weicheren Filterung sind die Schatten schwarz und differenzierter.

1) Lith 1+10 3:30 Minuten, Stoppbad 30 Sekunden, Wasser 30 Sekunden
2) VGT 50 Sekunden, A 60ml, B 5ml, Wasser 500ml
3) VGT Alkali 2 Minuten, C 60ml, Wasser 600ml




Der Polychromeprint, Papier Fomatone 132
1) Lith 1+8 3min
2) Siena 1+4 ohne Alkali 1min
3) Alkalilösung (Carbonat und Ammoniumchlorid) 2min




Tonung MT4 Siena Polysulfidtoner
Verdünnung 1+25 40sec + 2min Nachtonung im ersten Waschwasser


Ansatzvarianten

Eine Verarbeitungsvariante zur Schonung des teuren Zweitentwicklers: Wird der Glyzin-Entwickler ohne Alkali angesetzt, ist er monatelang haltbar. Um eine Verschleppung von Alkai aus dem Lithentwickler zu unterbinden, wird im Stopbad neutralisiert und anschließend kurz unter fießendem Wasser abgespült. Das Einbringen geringer Säuremengen schadet dem Entwickler nicht, denn der pH-Wert des mit Wasser verdünnten Konzentrates liegt zwischen 7.8 und 8.0, ein weiteres Abfallen ist unkritisch.

Das Konzentrat wird zwischen 1+4 und 1+8 mit Wasser verdünnt, die Emulsion nimmt hier lediglich die Entwicklersubstanz auf, ein nennenswerter Entwicklungsvorgang sollte nicht erkennbar sein.

Die Entwicklung findet erst im folgenden Aktivatorbad statt. Bei getrenntem Ansatz kann der Aktivator nur wirken, solange Entwicklersubstanz vorhanden ist. Bei den oben vorgeschlagenen Konzentrationen ist dieser Vorgang nach anderthalb bis drei Minuten abgeschlossen.

Die Aufnahmemenge an Entwicklersubstanz kann durch längere Verweildauer nicht beliebig gesteigert werden. Ist das Wasser (der Zwischenwässerung) aus der Schicht verdrängt, besteht also kein Sättigungsgefälle mehr, ist die maximale Aufnahme erreicht. Sollen höhere Entwicklermengen aufgenommen werden, ist das Konzentrat weniger stark zu verdünnen. Bei hohem Durchsatz kann bei abnehmendem Volumen mit frischer Lösung aufgefüllt werden.

Je weniger Entwicklerlösung unnötigerweise in das Aktivatorbad eingeschleppt wird, desto länger ist diese Lösung verwendbar. Läßt man jeden Print gut abtropfen (etwa 20 Sekunden für 24x30 Papier), kann der Aktivator für die gesamte Session benutzt werden.


Polychrome ohne Siena-Entwickler

Da ja auch die Entwicklersubstanz des Lithentwicklers (Hydrochinon) bei Abwesenheit von Sulfit farbig zu entwickeln vermag, und die Schicht bei fetten Ansätzen ausreichende Substanzmengen aufgenommen hat, kann auf den Zweitentwickler (Glyzin) verzichtet werden, wenn lediglich eine höhere Farbigkeit erzielt werden soll. Eine ähnlich starke Hervorrufung der Mitteltöne und Lichter, wie sie für Glyzin typisch ist, findet hierbei nicht statt. Wenn hohe Lichterdichten entstehen sollen, ist also stärker überzubelichten als bei Zweibad mit Siena. Dann erscheinen allerdings Mitteltöne und Lithschwarz fast gleichzeitig, was es schwierig macht den Snatchpoint reproduzierbar zu treffen.




Erstentwickler Lith 1+10
gebremst mit 20ml/Liter Lith D
Entwicklungszeit 3 Minuten
"Zweitentwickler" Aktivator 1+1+10 3 Minuten
Photo: A.S.C.


Hier wurde als Alkali die Carbonatlösung aus dem Polychromekit gewählt. Auch Lith B ist als Aktivator einsetzbar, allerdings sind die Bildtöne (bei gleicher Menge Ammoniumchlorid) dann weniger stark rötlich, auch die Schattenfarbe ist weniger intensiv, weil das in Lith B enthaltene Sulfit einen Teil der farbgebenden Oxidationsprodukte wegfängt.