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Tonung mit Selen und Gold



Photo: A.S.C.
Papier: Select VC / PW14

links oben:ungetont, weich ohne Schwärzung der Schatten
rechts oben: MT1 Selen 1+10 1:30min
links unten: nach Selen- die Goldtonung MT10 3:30 in feuchtem Zustand
rechts unten: nach der Trocknung


Achtung! Selentoner enthalten Thiosulfat, vor der Goldtonung muß deshalb gewässert werden.


     

    


Wird ein blauer Ton durch Goldtonung angestrebt, muß der Print kontrastarm und warm angelegt werden. Goldtonung bringt bei diesen Prints einen enormen Dichtezuwachs, bei mächtig hohem Einsatz an Substanz. Deshalb soll der wohlfeile Selentoner, den Job dort erledigen, wo es viel zu tun gibt - in den Schatten. Bei kurzer, scharfer Selentonung ziehen bei Warmton-papieren alle Dichten an, die Schatten typischer-weise überproportional. Nach Auswässerung folgt der Goldtoner, der Print bekommt die erforder-liche Brillanz. Während der Trocknung verändert sich der Bildton zu einem kühleren Blau bei höherer Dichte. Diese Dichtezunahme muß bei der Ausarbeitung einkalkuliert werden.
Erscheint der Print nach Tonung und Trocknung zu schwer, ist eine duftigere Darstellung (wie bei der Winterlandschaft unten) erwünscht, kann das noch nicht vom Toner erreichte Silber durch Abschwächung reduziert werden. Zu diesem Zweck bedienen wir uns nicht des irreversibel wirkenden "Farmerschen Abschwächers", sondern bleichen und fixieren in getrennten Lösungen. Sollte nämlich die Bleichung zu stark ausgefallen sein, kann rückentwickelt werden. Um Bleichungen gezielt vornehmen zu können, muß die Wirkungsweise der Toner bekannt sein. Selentoner arbeiten von den Schatten zu den Lichtern, Goldtoner wirken in der Regel auf alle Dichten gleichmäßig ein, wobei sie natürlich in den Lichtern schneller fertig sind, als in den silberreichen Schatten. Diese unterschiedlichen Eigenschaften können genutzt werden um die im Übermaß vorhandenen Mitteltöne zu reduzieren, oder um bei durchgreifender Goldtonung ein reineres Blau ohne Anflug von Magenta zu erzeugen.

Um den Bleichvorgang kontrollieren zu können, sollte der Bleicher nicht zu stark angesetzt sein. Verdünnungen zwischen 1+40 und 1+100 gewähren Zeit den Bleichvorgang nach Sicht zu steuern.

Nach der Bleichung kombinierter Selen/Goldtonung erscheinen insbesondere die Mitteltöne heller, an der Farbe hat sich dagegen noch nicht viel geändert.

Bringt man den Print nach kurzem Abspülen ins Fixierbad, stellt sich bei weiterer Aufhellung schlagartig ein kühler Blauton ein. Auch hier nehmen die Dichten bei der Trocknung wieder etwas zu, allerdings bei weitem nicht so stark wie bei der Goldtonung ohne anschließende Bleichung.





Selen+Gold
© Gerhard Fuhs


Wird der Goldtoner nach Vortonung in Selen nur kurz eingesetzt, reagieren die Lichter mit leicht rötlichem Ton. Soll die Durchtonung zu Purpur- bis Blauton vermieden werden, muß die Tonung schon nach etwa 30 Sekunden abgebrochen und mit viel Wasser gespült werden. Goldtoner tonen im Wasser nach, dies muß berücksichtigt werden. Kommt der Toner zu schnell, kann er verdünnt werden. Bei 1+10 kann mit 200ml ein Print in der Größe 24x30cm getont werden.



Die pure Goldtonung

Vergleich der Wirkungsweise unterschiedlicher Goldtonerformulierungen, am Beispiel meiner Goldtoner MT6, MT9 und MT10.




Polychromeprint auf Select VC
von links nach rechts: ungetont - MT10 1min - MT9 1min
© A.S.C



Bei kurzen Tonungszeiten ist der Unterschied der Wirkungsweise gut erkennbar, bei längeren Zeiten stellt sich bei beiden Tonern (nach Zweibadentwicklung Lith+Siena) ein intensiver Blauton in den Lichtern und Mitteltönen ein.
MT9 tont von den Lichtern zu den Schatten mit deutlicher Kante.

MT10 greift alle Dichten gleichmäßig an, wobei sich zunächst ein kühler Rötelton einstellt.

Der zu Beginn der Tonung langsamere MT10 erreicht die Schatten schneller als der MT9. Ist ein einheitlicher Bildton in Lichtern und Schatten erwünscht, ist der MT10 die bessere Wahl.





Mit zunehmender Tonungsdauer - rechts 9min - wird der Ton kälter und erreicht auch die tiefen Schatten.
Sollen die Lichter einen Hauch von Wärme behalten, kann vor der Goldtonung geschwefelt werden.
Bei Polychromeprints weisen die Lichter eine höhere Deckung auf als bei reine Lithprints, es steht in der Regel genügend Silber für indirekte Tonung zur Verfügung.

Es werden in verdünntem (kaliumhexacyanoferrat/Bromid) Bleicher nur die Hochlichter zart angebleicht und in Thioharnstoff (MT3 Vario) in heller oder mittlerer Abstimmung getont. Thioharnstoff tont im Unterschied zu Natrium- oder Polysulfidtonern nur die gebleichten Partien.

Nach Zwischenwässerung wird im Goldtoner (MT9 oder MT10) bis zur gewünschten Intensität getont. Bei einer starken Vortonung in Schwefeltonern stellt sich mit zunehmender Tonungsdauer im Goldtoner ein leuchtender Rötelton ein. Bei schwacher Vortonung und kurzer Goldtonung (wie hier) bleibt der Ton dezenter.



MT6 Nelson Goldtoner

Eine Sonderstellung nimmt der MT6 ein, denn im Gegensatz zu den beiden anderen Goldtonern entstehen schon bei kurzen Zeiten kühle Schatten bei leuchtend gelben Lichtern.





Papier Fomatone MT6 Nelson Goldtoner 38°C 3 min


Bei längeren Tonungszeiten bleibt die Mehrfarbigkeit erhalten, insgesamt wird der Ton dann aber von den Schatten ausgehend kälter.