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Zweibad mit Amidolentwickler
Gegensätzlichere Partner sind in der Zweibadentwicklung kaum vorstellbar. Kein anderer Entwickler bringt so fein differenzierte Zeichnung über den gesamten Tonwertbereich wie Amidol, kein anderer bringt harsche undifferenzierte Schatten wie Lith. Es liegt also nahe, beide miteinander zu kombinieren, wenn der Kontrastumfang eines Negativs durch Unterbelichtung und Überentwicklung hoch ist, oder wenn eine plakative Interpretation bei voller Lichterzeichnung angestrebt wird. Der resultierende Bildton ist weniger farbig als bei der Kombination Lith+Siena. Tonungen sind sowohl in monochrome als auch polychrome Richtung möglich.





Lith+Amidol auf Fomatone 131



Carbontonung 1+20 1min

© A.S.C.


Dieses Negativ widersetzte sich allen Versuchen, es auf herkömmliche Art zu Papier zu bringen. Selbst mit zwanzigfacher Nachbelichtung im Bereich über der Mauer blieben die Lichter zeichnungslos kalkig. Eine Vorbelichtung zur Gradationsbeugung stößt immer dort an die Grenze der Machbarkeit, wo die Schatten schon ohne solche Manipulationen eine 5er Gradation benötigen.

Bei entsprechender Lichtmenge schafft der Amidolentwickler die Lichterzeichnung schon bei einer mittleren Gradation, doch der gesamte untere Bereich würde bis auf die Spiegelung in Dunkelheit versumpfen. Aber für den Schattenbereich haben wir ja die Eigenschaft des Lithentwicklers den Bereich der Schwärzung auf ein schmales Band zu reduzieren.

Es wird also bei ermittelter Lichtmenge für die Lichter belichtet. Bei einer Splitbelichtung mit den Eckfiltern 0 und 5 wird der untere Bereich bei Gelblicht abgehalten. Eine Nachbelichtung mit dem Magentafilter holt noch mehr Struktur in die dichten Lichterbereiche.

Im Lithentwickler wird anentwickelt bis nur die tiefsten Schatten kurz vor der Schwärzung stehen, dann wird ohne Verzug im Säurebad gestoppt und nach kurzer Spülung in dünnem Amidolentwickler ausentwickelt. Die Neutralisierung des alkalischen Lithentwicklers ist zwingend erforderlich, denn der pH-Wert des Amidolentwicklers liegt im sauren Bereich und soll dort auch bleiben.





Dieses Negativ hat zwar insgesamt einen noch tolerierbaren Kontrastumfang von ca. 1.4 logD, aber Schattenzeichnung ist kaum vorhanden, die Dichte sitzt in den Lichtern. Um die Schatten differenziert darzustellen, wurde im Lithentwickler nur solange anentwickelt, bis Bildspuren von Schatten und unteren Mitteltönen deutlich erkennbar waren. Nach Stoppbad und Spülung wurde 90 Sekunden in Amidol entwickelt, gefolgt von einem Wasserbad zur Aktivierung des noch in der Schicht vorhandenen Amidols.
Amidol braucht zur Entwicklung kein Alkali. Schon der Wechsel vom sauer eingestellten Entwickler zum "neutralen" Wasser läßt alle Dichten deutlich erkennbar ansteigen, wobei sich der Entwickler in den Schatten rasch erschöpft, in den Lichtern jedoch noch eine Weile weiter wirken kann. Amidol ist extrem oxidationsanfällig. Je höher der pH-Wert der Lösung, desto schneller gibt der Entwickler den Geist auf. Wird die Lösung leicht angesäuert, bleibt sie länger stabil.



Wird eine plakativere Darstellung vorgezogen, kann mit diesen beiden Entwicklern eine Tontrennung vorgenommen werden. Für diesen Zweck wird bei etwas kürzerer Belichtungszeit länger im Lith entwickelt bis die Schatten beginnen lithtypisch zuzulaufen. Dies sollte zwischen der vierten, spätestens aber sechsten Minute passieren. Je weniger Mitteltöne jetzt erkennbar sind, desto deutlicher wird der Tontrennungs-Effekt ausfallen.

Der Bildton ist begrenzt steuerbar und sehr viel stärker vom verwendeten Papier abhängig, als von Zusätzen zu den Entwicklern. Grundsätzlich gilt auch hier die Regel: Je mehr Licht und je dünner die Entwickler, desto wärmer der Ton.





Lith+Amidol auf Fomatone 131



Goldtoner MT9 5min

© Horst Wiedemann