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Moersch Photochemie
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Lektion 1: Einführung
Die Kallitypie ist ein Silber-Eisenverfahren. Die lichtempfindliche Substanz ist - wie bei der Platinotypie - Eisen III Oxalat. Die im Vergleich wesentlich kostengünstigere Kallitypie ist von der Platinotypie kaum zu unterscheiden. Maximalschwärzung und Gradationsverlauf sind ähnlich, der Bildton ist ein kühles Rotbraun.

Tonungen mit Edelmetallen wie Gold, Platin, oder Palladium sind möglich. Besonders bei der Goldtonung nimmt die Maximalschwärzung deutlich zu. Bei der Tonung mit Selen nehmen alle Dichten stark ab, der Print wirkt flach und kontrastarm, selbst bei Überbelichtung. Bei der Carbontonung werden die Schattendichten gehalten, der Ton wird dunkelbraun bis rötlichgelb.


Sicherheitshinweis

EisenIIIOxalat ist giftig!
Silbernitrat ist ätzend!
Hautkontakt mit beiden Lösungen muß unbedingt vermieden werden!

Die Entwicklersubstanz Natriumcitrat ist ungiftig, der Entwickler wird aber durch Lösung von Oxalat bei Gebrauch zunehmend giftig. Die Entnahme der Prints aus dem Entwickler sollte deshalb mit der Laborzange erfolgen.


Die Emulsion

Silbernitrat 10%ig und EisenIIIOxalat 20%ig werden zu gleichen Teilen gemischt und mit Pinsel oder Glasstab bei schwachem Kunstlicht auf ein geeignetes Papier aufgetragen. Nach der Beschichtung sollte man das Papier einige Minuten ruhen lassen, damit die Emulsion vollständig einziehen kann. Erst wenn die Emulsion matt erscheint, kann mit Warmluft (Trockenschrank oder Föhn) bei mäßiger Temperatur (30-40°C) getrocknet werden.

Bei stärker geleimten Papieren kann der Sensibilisierungslösung Tween zugesetzt werden, um einen gleichmäßigen, fleckenfreien Auftrag sicherzustellen. Die benötigte Menge ist durch Versuche zu ermitteln, in der Regel ist ein Tropfen (20%ig) Tween 20TM auf 30-50 Tropfen Emulsion ausreichend. Bei dem von mir bevorzugt verwendeten Arches Platin ist die Zugabe eines Netzmittels nicht erforderlich.

Es sollte nur soviel Emulsion angesetzt werden, wie innerhalb von 10-15 Minuten verarbeitet werden kann, denn bei längerer Standzeit kann Silber ausfallen. Silberniederschläge in Mensuren und Bechern sind mit Fixierbad lösbar, aber soweit sollte man es erst gar nicht kommen lassen. Unmittelbar nach Gebrauch sind Gefäße und Pinsel mit viel Wasser zu reinigen, die Pinsel sollten dabei mehrfach in Papiertüchern (z.B. Zewa) ausgedrückt werden. Um den Hautkontakt mit den Chemikalien zu vermeiden, sind dabei Laborhandschuhe zu tragen.


Das Drucknegativ

Originalnegative, die in "stainenden" Entwicklern entwickelt wurden, können verwendet werden, weil der Stain bei der Belichtung mit UV-Licht als zusätzliche Dichte wirkt. Alle anderen Negative müssen auf einen Kontrastumfang von 1.4 bis 1.8 logD umkopiert werden. Da es sich bei der Kallitypie um ein Kontaktkopierverfahren handelt, ist das Negativ im gewünschten Printformat zu erstellen. Beim analogen chemischen Verfahren wird vom Original ein Diapositiv gezogen, welches dann auf einen Film mit dem erforderlichen Kontrastumfang vergrößert wird. Digital erstellte Negative sind geeignet, wenn Druckfolie und Tinte die erforderliche hohe Deckung zulassen.


Die Belichtung

Belichtet wird mit Tageslicht, oder wegen der besseren Reproduzierbarkeit mit UV- Licht. Gesichtsbräuner, oder bei größeren Formaten Dekolletebräuner sind völlig ausreichend. Die Belichtungszeiten liegen zwischen drei und zwanzig Minuten, je nach Leuchtenabstand und Negativdichte.

Bei Verwendung eines Kontaktkopierrahmens mit geteilter Andruckplatte kann der Fortgang der Belichtung überprüft werden. Richtig belichtet ist, wenn die tiefen Schatten einen zarten rötlichen Ton angenommen haben. Die Mitteltöne dürfen jetzt noch nicht erkennbar sein!








Die Entwicklung

Ich empfehle als Entwickler eine 20%ige Lösung von Natriumcitrat. Es werden in der Literatur eine Vielzahl von Entwicklersubstanzen angegeben, funktionieren tun sie alle, mal mehr, mal weniger zufriedenstellend. Ein Problem für den Anwender der Technik scheint oftmals das Ausbleichen der Kopien vor Fertigstellung, spätestens bei der Fixage zu sein. Die hier beschriebene Verarbeitungskette sollte deshalb strikt eingehalten werden.

Der Print wird mit der Schichtseite nach oben zügig in den Entwickler eingetaucht.

Es ist äußerst wichtig, daß das gesamte Bild sofort gleichmäßig mit Entwickler überspült wird, andernfalls können sich Schlieren bilden. Das Bild erscheint schlagartig, sehr dunkel und etwas mulmig. Der Print sollte für vier Minuten im Entwickler verbleiben, wobei er nach dem Eintauchen aufs Gesicht gedreht wird um ein Abschwemmen der gelösten Substanzen zu erleichtern, die Schale ist zu diesem Zweck gelegentlich zu kippen. Nach Ablauf der Entwicklungszeit erscheint der Print wesentlich heller und kontrastreicher als zu Beginn.


Das Klärbad

Nach einer etwa halbminütigen Spülung in Wasser, kommt der Print für weitere vier Minuten in ein 3%iges Zitronensäureklärbad und wird anschließend 30-60 Sekunden gewässert. Wird die Zeit von vier Minuten deutlich überschritten, oder wird danach zu lange gewässert, bleicht der Print aus.






So muß der Print vor einer Tonung, oder der Fixage ausschauen: Zu hell, mit gelben oder orangefarbenen Lichtern und rötlichen Schatten.


Tonung

Gold-, Platin-, oder Palladiumtonung, oder auch Kombinationen dieser Edelmetalltonungen erfolgen vor der Fixage!

Tonungen werden aus folgenden Gründen vorgenommen:
- Erhöhung der Haltbarkeit - Gold und Platin sind stabiler als Silber.
- Erhöhung des Kontrastumfangs - die Schattendichten legen zu.
- Bildtonänderung - z.B. Platin > neutral, oder Gold > magenta bis blau.

Geringerer Dichteverlust durch Ausbleichen im Fixierbad wird oft als Grund für Edelmetalltonungen angeführt. Meiner Meinung nach gilt dieses Argument nur bei Verwendung ungeeigneter Fixierbäder.


Fixierbad

In der Literatur werden schwache Natriumthiosulfatbäder empfohlen, gelegentlich gar verbunden mit äußerst kurzen Zeiten von ca. 15 Sekunden. Bei der Fixage soll nur Silbersalz gelöst werden, welches nicht am Bildaufbau beteiligt ist. Metallisches Silber darf von Thiosulfat nicht dermaßen aggressiv angegriffen werden, daß es gleichzeitig mit überschüssigem Silbersalz gelöst wird. Genau dies scheint aber selbst in einigen speziellen Fixierbädern für die Kallitypie zu geschehen, wenn der ungetonte Print "fixiert" wird. Läge dieses Ausbleichen also im Wesen des Verfahrens, müßte vor der Fixage ein stabilerer Bildkörper durch Austausch des Metalles erzeugt werden. Einzusehen ist dies nicht unbedingt, auch wenn es in Veröffentlichungen immer wieder so beschrieben wird.

Schnellfixierbäder auf der Basis von Ammoniumthiosulfat müßten theoretisch demnach von vorneherein für diese Anwendung ausscheiden. Nach meiner Einschätzung ist jedoch ein alkalisches Ammoniumthiosulfatbad das Mittel der Wahl für die Kallitypie. Ich setze meinen ATS-Fixer in der Verdünnung 1+20 ein und kann bei zwei- bis dreiminütiger Fixierzeit kein Ausbleichen feststellen. Es ist im Gegenteil so, daß ein starker Dichteanstieg eintritt, sobald der Print in das Fixierbad eingebracht wird.


Wässerungshilfe

Eine Wässerungshilfe ist (nach alkalischem Fixer) nicht unbedingt erforderlich, aber sie verkürzt die Wässerungszeit von Kallitypien auf extraschweren Trägern wie Arches Platin auf zehn Minuten. Natriumsulfit als 1%ige Lösung, vor Gebrauch frisch angesetzt, ist für diesen Zweck völlig ausreichend. Die Stammlösung meiner konfektionierten Wässerungshilfe kann zur gleichen Wirksamkeit 1+40 verdünnt werden.


Trocknung

Die Prints können auf Trockensieben bei Raumtemperatur ausgelegt werden und trocknen dann völlig glatt auf. Bei hängender Schnelltrocknung im Trockenschrank wölben sich alle Papiere, die dünneren stärker als die schweren Qualitäten und müssen bei schwacher Hitze (Aufziehpresse 50-60°C) geglättet werden.






So sieht die ungetonte Kallitypie nach (alkalischem!) Fixierbad und Trocknung aus. Die Dichte hat gegenüber dem feuchten (unfixierten!) Print enorm zugenommen, der zuvor schrille Gelbton ist zu einem angenehm warmen Rotbraun geworden. Eine Tonung ist also nur erforderlich wenn ein anderer Bildton erwünscht ist, oder wenn der Print einige Jahrzehnte länger halten soll.






Zum Vergleich, ein vor der Fixage goldgetonter Print. Obwohl die Belichtungszeit um 10% kürzer war, ist die Maximalschwärzung höher.  Die Lichterzeichnung ist geringer, die Darstellung erscheint insgesamt kontrastreicher.