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Lektion 2: Vom Auftrag zur Entwicklung
Mischen und Auftrag der Sensibilisierungslösung

Eisen III Oxalat und Silbernitrat werden in einem kleinen Becherglas zu gleichen Teilen vermischt. Es ist darauf zu achten, daß der Behälter trocken ist. Schon kleine Mengen von Leitungswasser können zu Reaktionen mit dem Silbernitrat führen. Wird die Lösung milchig trüb, ist sie unbrauchbar. Vier bis fünf Tropfen von beiden Teillösungen sind ausreichend für eine Beschichtung (mit Glasstab) im Format 8x10inch. Im Gegensatz zum Platindruck kann auf Vorrat beschichtet werden, die Blätter sind einige Tage haltbar.

Nicht alle Papiere, die beim Platindruck zu guten Ergebnissen führen, sind gleichermaßen für die Kallitypie geeignet. Das Verfahren steht und fällt mit der Qualität des verwendeten Druckpapiers. Ich verwende fast ausschließlich Arches Platin. Der Baumwollkarton ist 300g schwer, was das Handling erleichtert und der fertige Print erfreut nicht nur das Auge, sondern auch die Hand. Dieses Papier hat die „richtige“ Leimung für alle Edeldruckverfahren, die Schicht schwimmt nicht ab, Eisensalze werden im Klärbad rasch gelöst, die langfasrige Baumwolle erleichtert die Auswässerung, ein Ausbleichen während der einzelnen Verarbeitungsschritte ist nicht zu befürchten.


Pinsel oder Glasstab?

Bei Aufträgen mit dem Pinsel ist die Schicht dicker, der Print zeigt mehr Kraft. Bei Aufträgen mit dem Glasstab ist die Schicht homogener, dünner, die Auflösung ist höher, der Schärfeeindruck auch.

Pinsel:

Die markierte Fläche wird zügig eingepinselt. Der Pinsel wird locker geführt, ohne großen Druck wird die Lösung satt mit kreuzweisen Strichen verteilt. Die Pinselstriche sind jetzt noch erkennbar, weiteres Hantieren mit dem Auftragspinsel bringt überhaupt nichts, die Schicht muß mit einem Vertreiberpinsel (möglichst Dachshaar) homogenisiert werden. Dazu lässt man den Pinsel nur mit den Spitzen auf der Schicht tanzen, ob mit kurzen Strichen, oder kreisförmigen Bewegungen, spielt keine Rolle, es muß nur schnell gehen. Jeglicher Druck ist zu vermeiden, weil dadurch die Emulsion nicht verteilt, sondern nur hin und her geschoben wird. Bei stark strukturierten Motiven können Pinselstriche unauffällig bleiben, bei homogenen Flächen springt jeder Fehler direkt ins Auge. Der Print unten zeigt deutlich, daß ein Verzicht auf Homogenisierung mit dem Vertreiberpinsel der Sache nicht dienlich ist.







Glasstab:

Der Glasstab wird auf das Papier gesetzt, mit einer Tropferpipette wird die Emulsion auf die benötigte Länge am Stab verteilt. Abrisse der Lösung sind normal. Ist genügend Lösung vorhanden, kann diese durch Druck auf den Stab wieder auf die vorgesehene Länge gebracht werden, anschließend zieht man den Stab nach unten, setzt hinter der nach unten geschobenen Emulsionswurst neu an und zieht mit leichterem Druck wieder nach oben bis zum Ansatzpunkt. In zwei bis maximal vier Zügen sollte die Emulsion gleichmäßig aufgetragen sein. Eventuell vorhandene überschüssige Lösung an den Enden wird mit Küchenkrepp aufgenommen. Läßt man sie stehen, wird sie möglicherweise bis in den Bereich aufgesaugt, in dem das Negativ platziert wird.





Fehlerhafter Auftrag



Maskierung

Soll das Bild ohne Pinselrand freistehen, muß das Negativ maskiert werden.

Ist das Filmformat größer als das Bild, kann der Negativrand durch Belichtung geschwärzt werden. Hierzu wird der Bildbereich nach der Belichtung mit schwarzem Karton abgedeckt, die Maskenbänder werden zur Seite geschoben und der Rand mit einer starken Lichtquelle (exakt von oben, z.B. Vergrößerer ohne Negativ) belichtet.

Einfacher ist ein Abkleben mit lichtundurchlässigem Klebeband, oder die Erstellung einer Maske mit schwarzer Folie, schwarzem Karton, oder geschwärztem PE-Papier. Allerdings reicht bei dieser Methode der Anpressdruck einer Glasscheibe nicht aus um innigen Kontakt von Negativ zum Druckpapier zu gewährleisten, partielle Unschärfen sind die Folge. Nur Vakuumrahmen ziehen das Sandwich sauber aufs Papier.

Zur Beurteilung der Klärung ist bei ersten Versuchen eine Maskierung hilfreich, es reicht jedoch auch aus eine kleine Ecke der Schicht bei der Belichtung abzudecken. Die lichtempfindliche Substanz (hier Eisen III Oxalat) muß möglichst vollständig gelöst werden um die Langzeithaltbarkeit zu gewährleisten. Solange der unbelichtete Rand noch einen gelblichen Ton aufweist, ist noch Eisensalz im Träger. Bei Beginn der Entwicklung ist der Emulsions-Rand noch sehr deutlich erkennbar. Der Grund für eine Entwicklungszeit von vier Minuten oder mehr, ist nicht etwa eine Zunahme von Dichte, sondern eine weitgehende Lösung des Eisensalzes. Doch erst im Zitronensäure-Klärbad verschwindet der Gilb (Eisen) restlos, das ungenutzte Silber wird im Fixierbad gelöst.

Ein gelber Rand deutet auf Eisensalzrückstände hin, Ist die Klärung nach vier bis Sechs Minuten nicht abgeschlossen, ist das Papier für diese Technik ungeeignet. Ein grauer Rand entsteht durch zu helles Raumlicht bei der Positionierung des Drucknegativs, oder bei Verwendung lichtdurchlässigen Maskierungsmaterials.







So muß der Träger nach der Verarbeitung aussehen. Der Strich links oben ist eine Bleistiftmarkierung, die an allen vier Ecken angebracht wird um die Fläche für den Auftrag der Sensibilisierungslösung zu markieren. Bei freigestellten Drucken können diese Markierungen leicht wegradiert werden, wenn ein weicher Stift benutzt wurde.


Frei gewählter Maskenrand

Ist ein schwarzer Rand ohne den unregelmäßigen Auftrag durch Pinsel oder Glasstab erwünscht, wird das Negativ in eine schwarze Maske positioniert.







Ein unscharfer Rand entsteht, wenn die Maske zwei bis drei Millimeter über dem Negativ liegt. Allerdings kann durch die Lichtbrechung ein leichter Ton auf der gesamten Auftragsfläche entstehen, der jedoch nach der Fixage mit Abschwächer (besser bleichen und im Fixer lösen) entfernt werden kann. Hierzu wird der Bleicher etwa 1+20 verdünnt und mit einem Wattebausch aufgetragen. Hat man den Print zuvor abtropfen lassen, kann bei der kurzen Einwirkungszeit von 20-30 Sekunden die geringe Menge Bleicher nicht ins Bild ziehen und den Print verderben. Ich nehme mir bei diesen Aktionen immer nur eine lange und eine kurze Seite vor, der Print liegt dabei auf einer ebenen Unterlage (z.B. Zwischenwand vom Wässerer), die dermaßen geneigt wird, daß bei sattem Auftrag die Lösung nach unten abläuft.





Foto: Albert Renger-Patzsch
Tonung: MT6 Nelson Gold nach der Fixage




Kontraststeuerung

Ist der Kontrastumfang eines Negativs zu gering, erscheint der Print nur flau, oder bei reichlicher Belichtung zu dunkel und undifferenziert. In solchen Fällen kann der Entwickler durch Zugabe von Dichromat härter eingestellt werden.

Das folgende Negativ wurde für den Gummidruck erstellt, ist also zart, ohne hohe Dichte. Bei einem Leuchtenabstand von 12cm (UV-Bräuner) wurde die Probe zwei Minuten belichtet und vor der Entwicklung geteilt. Der linke Teil wurde in Natrimcitrat ohne Zusatz entwickelt, der rechte Teil im gleichen Entwickler mit Zusatz von 40 Tropfen Natriumdichromat (50%ige Lösung) auf einen Liter. Es wird deutlich, daß insbesondere die Lichter und Mitteltöne heller kommen. Die tiefen Schatten bleiben bei dieser Chromatmenge unbeeindruckt, wenn die Belichtungszeit entsprechend verlängert wird. Bei dem Beispiel unten ist die Belichtung für den Entwickler mit Chromat richtig. Für den Entwickler ohne Chromat müsste die Belichtungszeit um ca. 50% reduziert werden.







Selbst wenn für die Kontrolle der Dichten ein Densitometer zur Verfügung steht, können Negative zu dünn ausfallen. Es sollte zwar ein optimales Negativ für den Prozeß angestrebt werden, doch sinnvoller als eine erneute Vergrößerung ist die Kontraststeuerung mit Chromat im Entwickler. Sind bei einer Printsession Negative mit unterschiedlichem Kontrastumfang zu verarbeiten, ist es vorteilhaft zwei bis vier Entwickler beispielsweise mit 0, 10, 20, 40 Tropfen Chromat pro Liter zur Verfügung zu haben.





Foto: Matthias Stalter
Ohne Tonung




Sogar Polanegative sind so direkt verwendbar, wenn sie nicht allzu dünn ausfallen. Wird bei der Aufnahme auf optimale Negativdichte (und nicht aufs Positiv) belichtet, reichen zwei bis drei Tropfen Dichromat auf 100ml Citratentwickler.

Ist eine (ungetonte) Kallitypie wegen Überbelichtung zu dunkel geraten, kann sie abgeschwächt werden wie jeder andere Silberprint auch.







Um den Grad der Abschwächung kontrollieren zu können wird in schwacher Hexacyanolösung gebleicht. Mein Bleicherkonzentrat habe ich für diese Anwendung 1+100 verdünnt und nach Sicht gebleicht. Nach zwanzig Sekunden wurde zügig abgespült und fixiert. Eine Fixierzeit von 30-60 Sekunden ist jetzt völlig ausreichend.







Da Bleicher auf der Basis von Hexacyanoferrat immer erst die Lichter, dann die Mitteltöne und schließlich auch die Schatten angreifen, bleibt bei hoher Verdünnung Zeit genug, den Bleichprozeß abzubrechen bevor die Schatten erreicht werden.

Dieser abgeschwächte Print unterscheidet sich bezüglich Farbton und Maximalschwärzung in keiner Weise von einem richtig belichteten Print.

Soll von einem Negativ gedruckt werden bei dem die Hochlichter wegen Überentwicklung „zu“ sind und die Schatten zu dünn, bleibt keine Wahl. Es muß auf die Lichter belichtet werden, mit der Folge eines zu schweren Prints mit zugelaufenen Schatten.







In diesem Fall führt eine einfache Abschwächung möglicherweise nicht zum Ziel, weil die Lichter ausfressen würden bis die Schatten vom Bleicher erreicht werden. Man bleicht bei dem völlig ausgewässerten Print die Lichter und oberen Mitteltöne an und schützt sie durch eine Schwefeltonung. Nach der Trocknung wird der Print insgesamt schon deutlich heller sein als zuvor.







Bei Schwefeltonungen nach starker Bleichung verändert sich der Bildton immer zu einem gelblichen Braun. Als günstigste Tonersubstanz hat sich Thioharnstofflösung mit hoher Alkalität erwiesen.

Sind die Schatten aber noch zu schwer, wird nochmals gebleicht. Schwefelsilber wird vom Bleicher nicht angegriffen, die Bleichung findet also nur noch in den Bildbereichen statt, die metallisches Silber enthalten. Die Bleichzeit ist so zu bemessen, daß die tiefen Schatten stehen bleiben. Der Bleicher sollte jetzt mindestens auf 1+500 verdünnt werden, um ausreichend Zeit zu haben den Bleichvorgang zu beurteilen. Anschließend wird fixiert, gewässert und getrocknet.