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Lektion 1: Grundlagen

Ein wenig Theorie zum Verständnis der Vorgänge.

Hochverdünnte Hydrochinonentwickler erzeugen farbige Bildtöne bei starker Überbelichtung, besonders dann wenn die Oxidationsprodukte nicht vollständig durch Sulfite weggefangen werden, sondern sich am Bildaufbau beteiligen können.

Der Lithentwickler enthält nur eine Entwicklersubstanz, nämlich Hydrochinon(HQ). Ohne Oxidationsschutz hat HQ nur eine begrenzte Lebensdauer in alkalischer Lösung, es oxidiert zu Chinon. Chinon hat keinerlei Entwicklungsvermögen mehr, für die Lithprinttechnik wird das Zwischenprodukt Semichinon genutzt. Hat sich durch Gebrauch oder Zuführung von außen (Impfung mit geringer Menge gebrauchten Entwicklers) genügend Semichinon gebildet, kann es in den Entwicklungsprozeß eingreifen. Semichinon wirkt um ein Vielfaches aggressiver als die langsame Ursprungssubstanz Hydrochinon. Haben Entwicklungskeime ein bestimmtes Stadium erreicht, wird durch das radikale Semichinon eine Reaktion eingeleitet, die als "Infektiöse Entwicklung" bezeichnet wird. Dort wo die Entwicklung am weitesten fortgeschritten ist - in den Bildschatten -, setzt eine fast schlagartige Schwärzung ein. Hier sollte der Entwicklungsvorgang rasch abgebrochen werden, weil die Schwärzung nicht mehr tiefer werden kann, sonder nur weiter in die Breite geht. Das heißt, auch die nächste Schattenzone wird schwarz ohne Differenzierung!

Um ein farbiges Bild mit zarten Tonwerten aufzubauen, braucht das Hydrochinon viel Zeit. Wird das Bild zu schnell aufgebaut, ist der Effekt gering. Ab vier Minuten Entwicklungszeit kann man überhaupt erst von einem Lithprint sprechen, die besten Ergebnisse stellen sich erst bei Zeiten zwischen sechs und zwölf Minuten ein. Um dies zu erreichen enthalten Lithentwickler eine hohe Menge an entwicklungshemmenden Substanzen, in der Regel Kaliumbromid. Bei einer "Normalverdünnung" von 1+9 wäre der SE5 LITH dann immer noch zu schnell wenn farbige Lichter angestrebt werden. Die Bezeichnung "Entwicklerkonzentrat" ist wenig aussagekräftig in einer Zeit in der aus Marketinggründen gerne zu SUPERlativen gegriffen wird. Es gibt keinen Lithentwickler auf dem Markt, der ähnlich hoch konzentriert ist wie der SE5 LITH, dies ist im direkten Vergleich leicht feststellbar. Also muß dieser Entwickler entweder stark verdünnt werden, oder man muß seine Kraft bremsen durch Zugabe von Entwicklungshemmern. Beide Möglichkeiten stehen dem Anwender zur Verfügung. Einsteiger in die Lithprint-Technik sollten zunächst ohne Additive arbeiten und nur mit der Verdünnung spielen.

Wie man sich an das gewünschte Ergebnis herantastet, wird anhand von Bildbeispielen beschrieben.

Lithprints brauchen "Überbelichtung".
Je mehr Licht die Emulsion bekommt, desto farbiger wird das Ergebnis sein.
Je höher die Lichtmenge ist, desto stärker muß der Entwickler verdünnt werden.

Der geübte Lithprinter kann den Grad der Überbelichtung schätzen. Für den ersten Lithprint kann man systematischer vorgehen, indem man einen ganz normalen Abzug mit stärker als üblich abgeblendetem Objektiv erstellt. Für den Lithprint sollte bei gleicher Belichtungszeit die Blende um eine bis vier Stufen geöffnet werden.

Anwender die bisher ausschließlich mit PE-Papieren gearbeitet haben, mussen weder auf Barytverarbeitung umstellen, noch teure Lith-Spezialpapiere kaufen. Völlig ausreichend und ohne irgendwelche Qualitätseinschränkungen sind einige PE-Papiere verwendbar, wie beispielsweise unser Select VC/PE , Forte oder Classic Polywarmton, Agfa MCP, Fomatone PE.

 

Select Sepia VC PE in SE3 COLD

 
Für den ersten Lithprint kann die Gradationsfilterung übernommen werden um die Sache nicht zu komplizieren. Später sollte - wenn möglich - im Interesse kürzerer Zeiten mit Weißlicht belichtet werden. Gradationsfilter schlucken eine Menge Licht und bei Belichtungszeitverlängerungen von bis zu vier Blenden kann das zu aufreibenden Kämpfen mit Schwarzschild führen. Eine Gradationssteuerung über Filter ist in der Lithprinttechnik absolut entbehrlich.

 

Select Sepia VC PE in SE5 Lith
Belichtung: + eine Blende
Verdünnung: 1+20 (20ml A + 20ml B + 800ml Wasser)
Entwicklungszeit 11 Minuten

 
Ergebnis: Ein ausgeprägter Lithprint mit hohem Kontrast und den lithtypisch zugelaufenen Schatten. Soll mehr Farbe rein, braucht es mehr Licht.

 

Belichtung: + 1,5 Blenden
Verdünnung: 1+20 (20ml A + 20ml B + 800ml Wasser)
Entwicklungszeit 10 Minuten

 
Ergebnis: Mehr Farbe, weichere Gradation. Durch die wegen der höheren Lichtmenge verkürzte Entwicklung ist der Schwärzungsbereich nicht so breit, aber dem Schwarz fehlt noch Tiefe. Beim nächsten Beispiel wurde die Lichtmenge nochmals um eine halbe Blende erhöht, der Entwickler verdünnt auf 1+25 (20ml A + 20ml B + 1000ml Wasser)

 

Belichtung: + 2 Blenden
Verdünnung: 1+25 (20ml A + 20ml B + 1000ml Wasser)
Entwicklungszeit 11 Minuten

 
Ergebnis: Für die Lichtmenge ist der Entwickler bei gleich bleibender Entwicklungszeit noch zu fett. Lichterfarbe und Gradation sind richtig, aber die Schatten sind zu schwer. Es hätte also kürzer entwickelt werden müssen.

 

Belichtung: + 2 Blenden
Verdünnung: 1+30 (20ml A + 20ml B + 1200ml Wasser)
Entwicklungszeit 11 Minuten

 
Statt die Entwicklungszeit zu verkürzen, kann auch der Entwickler stärker verdünnt werden. Über 1+30 wie in diesem Beispiel kann man zwar gehen, der Entwickler wird sich aber mit jedem weiteren Print in seiner Wirkung stark verändern. Einerseits verbraucht er sich und entwickelt deshalb schon langsamer, andererseits reagieren dünne Abstimmungen natürlich auch stärker auf die Oxidationsprodukte. Die Semichinonkonzentration steigt und es bilden sich entwicklungshemmende Bromide.

Dies lässt sich nur ausgleichen durch regelmäßige Regenerierung mit gleich verdünnter frischer Arbeitslösung.

Bisher kamen nur die beiden Teile A und B zum Einsatz. Der fortgeschrittene Anwender wird möglicherweise die Vorteile der Additive nutzen wollen, die im "Vollprogramm" MASTER SET enthalten sind. Diese Additive sind aber auch einzeln erhältlich. Auf ihre Funktion wird später ausführlicher eingegangen, hier nur ein Beispiel für die Wirkung der "Bremse" LITH D. Statt durch hohe Verdünnung wird die Rapidität des Entwicklers durch Entwicklungsverzögerer gebremst. Der Vorteil liegt darin, die Arbeitslösung stabiler halten zu können. Startet man mit einem künstlich erzeugten hohen Bromidanteil, kann die bei jedem Entwicklungsgang zwangsläufig entstehende Zunahme von Bromid ausgeglichen werden, indem bei Bedarf mit Arbeitslösung gleicher Verdünnung ohne Bromid regeneriert wird.

Nur um die Wirkung des Additivs D zu demonstrieren wurde es im folgenden Beispiel extrem überdosiert, was eine weitere Überbelichtung bedingte.

 

Belichtung: + 3 Blenden
Verdünnung: 1+15 (20ml A + 20ml B + 600ml Wasser + 40ml ! D)
Entwicklungszeit 9 Minuten

 
Der Vergleich mit dem vorigen Print zeigt eine sehr ähnliche Gradation bei leicht kühleren Lichtertönen trotz der höheren Lichtmenge weil die Entwicklungszeit drei Minuten kürzer war. Die Schatten sind deutlich kälter und damit auch von höherer Dichte.