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Lektion 2: Baryt oder PE?

Wo liegen die Unterschiede?

Zunächst soll die Frage beantwortet werden, welche Emulsionen sich für die Lithprinttechnik überhaupt eignen.

Geeignet sind fast alle Emulsionen die keine Entwicklungsbeschleuniger enthalten. Incorporierte Beschleuniger reagieren superadditiv mit Hydrochinon, dadurch wird der (langsame) Lithentwickler zum Highspeedentwickler und ein Litheffekt ist völlig ausgeschlossen. Das "Übel" lässt sich in einigen Fällen zwar durch ein Auswaschen vor der Entwicklung beseitigen, doch der Erfolg ist ein ungewisser. Geringe partiell noch vorhandene Reste können zu Inseln rapider Entwicklung führen, die einfach ärgerlich sind.

Nun sollte man nicht glauben, einmal getestete Emulsionen würden für alle Zeiten genau gleich hergestellt. Das Agfa MCC beispielsweise funktionierte in den ersten Jahren nach der Markteinführung wunderbar, es war meine erste Alternative zum Sterling Lith Papier. Irgendwann ging nichts mehr - jahrelang! Seit etwa zwei Jahren funktioniert es wieder, zwar leicht anders im Bildton, aber immerhin völlig problemlos, mit einem Riesenvorteil für den Anfänger übrigens. Das Einsetzen der "Infektiösen Entwicklung" ist bei Dunkelkammerlicht deutlich zu erkennen, Unsicherheiten beim "Snatchpoint" gibt es nicht. What you see, is what you get.

 

A.S.C.
Agfa MCC 1+30 - die PE-Variante MCP verhält sich absolut gleich

 
Bei einigen warmen Emulsionen braucht man dafür schon einige Erfahrung. Oft bleibt man aus Unsicherheit zu lange im Entwickler, erst im Fixierbad erscheint der Lithprint in seiner vollen Kraft. Es ist so, als würde ein Schleier fortgezogen, der über dem Bild liegt.

 

A.S.C.
Fortezo Museum 1+35

 
Erfreulicherweise tauchen immer mal wieder, wenn auch selten, neue lithfähige Papiere auf dem Markt auf. Vor nicht allzu langer Zeit das Kentmere Warmton, mit ganz eigenen Eigenschaften, es scheint nur noch niemandem aufgefallen zu sein. Hier ein erstes Bildbeispiel:

 

A.S.C.
Kentmere Fineprint VC Warmtone 1+40

 
Die Oberfläche ist leicht strukturiert, der Träger hat einen cremigen Ton. Die Lithfarbe ist sehr dezent, daran ändert auch eine Verdünnung des Lithentwicklers auf 1+60 und vier bis fünf Blenden Überbelichtung nichts.

 

Wolfgang Moersch

 
Die Oberfläche der Kentmere Art Papiere ist denen von grobkörnigen Aquarellpapier ähnlich. Dies lässt sich hier nur andeutungsweise darstellen, diese Papiere wirken erst wenn man sie in die Hand nimmt.

Vor einigen Jahren brachte Foma das Fomatone, gleich in mehreren Oberflächen und verschiedenen Trägern. So erstaunlich es war, daß Foma ein solches Wagnis einging, so unverständlich war dem Anwender die Entscheidung die Produktion dieses Papiers wieder einzustellen. Dankenswerterweise hat sich Mirko Böddecker dafür stark gemacht, die Versorgung zumindest mit der glänzenden Oberfläche zu sichern.

Von den "Großen Drei" sollte die Analoggemeinde in der Zukunft nicht mehr viel erwarten. Der Markt ist stark geschrumpft, sodaß sich Investitionen in Forschung und Entwicklung nicht auszahlen. Einem Papier trauere ich immer noch nach, einem der schönsten überhaupt, dem Kodak Ektalure. Möge der Controller mit dem Rotstift in der Hölle schmoren!

 

A.S.C.
Kodak Ektalure

 
Sterling Lith wird leider nicht mehr produziert. Ein Jammer! Ärgerlicherweise versinken große Papiere meist sang- und klang- und pietätlos in der Versenkung. Ein kleiner Nachruf an dieser Stelle sei mir gestattet.

 

M.Stalter
Sterling Lith

 
Einige "Lithpapiere" verdankten ihre hervorragenden Eigenschaften einer cadmiumhaltigen Emulsion. Da hilft nun alles Nachjammern nichts, die Zeiten sind (zum Glück für unsere Umwelt) unwiderruflich vorbei. Kentmere Kentona ist immer noch ein gutes Papier, aber sein ehemals unvergleichlicher Rötelton ist mit der cadmiumfreien Emulsion nicht mehr zu erreichen.

 

A.S.C.
Kentmere Kentona alte Emulsion

 
Wenden wir uns also wieder den Papieren zu, die der Markt uns heute beschert. Es werden einige Marken angeboten, bei denen identische oder sehr ähnliche Emulsionen sowohl auf Baryt als auch auf PE gegossen werden. Die Unterschiede bei der Verarbeitung sind so gering, daß hierauf nicht näher eingegangen werden muß. Was sich aber bei allen Marken mehr oder weniger deutlich zeigt, ist eine stärkere Farbigkeit der PE-Varianten nach der Trocknung. Dies dürfte seine Ursache darin haben, daß die bei der Lithentwicklung in die Gelatine lang ausschießenden Silberfäden bei den versiegelten Oberflächen während der Trocknung stärker komprimiert werden als bei den offenen Barytoberflächen.

Es ist also ohne weiteres möglich, die Werte von Verdünnung, Belichtungs- und Entwicklungszeit zu übernehmen wenn von PE auf Baryt gewechselt werden soll, oder umgekehrt. Natürlich werden die Ergebnisse nicht auf Anhieb völlig identisch sein, weil die Gußchargen immer leicht unterschiedlich ausfallen.

 

Götz Pilarczyk
Select VC Baryt

 
Neben dem Select Sepia VC sind einige andere Marken mit beiden Trägern verfügbar: Forte u. Classic Polywarmton, Agfa MCC/MCP, Maco Expo R und Lith PE, Fomatone MG

Für sehr farbige Ergebnisse mit rötlichgelben Lichtertönen und grünschwarzen Schatten ist das Fomatone allererste Wahl. Ein in der Handhabung völlig problemloses Papier, das schon bei kurzen Entwicklungszeiten farbig entwickelt.

 

Fomatone MG 131
SE5 LITH 1+30 15ml A + 15ml B + 900ml Wasser
Belichtung +2,5 Blenden
Entwicklungszeit 8,5 Minuten

 
Bei noch stärkerer Entwicklerverdünnung und entsprechend längerer Belichtungszeit ist auch hier wieder mehr Farbe zu erwarten. Weil wir das ja schon vom Selectbeispiel kennen, möchte ich eine andere Möglichkeit aufzeigen. Jetzt kommen wieder die Additive ins Spiel und es werden zwei unterschiedlich abgestimmte Entwickler eingesetzt. Die Zweibadentwicklung hat den Vorteil, nacheinander Negative von unterschiedlichem Kontrastumfang printen zu können ohne an der Verdünnung etwas ändern zu müssen. Ein Entwickler wird stark verdünnt, oder seine Eigenschaften werden mit Additiven verändert, der zweite wird stärker angesetzt um rasch und durchgreifend schwärzen zu können.

 

Fomatone MG 131
Belichtung +3 Blenden
Erstentwickler: 1+30 - 15ml A + 15ml B + 900ml Wasser +5ml C + 5ml D, 7 Minuten
Zweitentwickler: 1+15 - 20ml A +20ml B + 600ml Wasser, 1 Minute